— 106 —
Daß China und Japan — die, wie Oldenberg mit einigerÜbertreibung sagt, „schon jetzt unerhört intensiv bewirtschaftetwerden" ^) — in die Reihe der kornexportierenden Gebiete eintreten,scheint ausgeschlossen. Ob Indien künftig mehr Weizen ausführenwird oder weniger, muß dahingestellt bleiben. Dagegen dürfte esgewiß sein, daß neben Sibirien Vorderasien ein „Nahrnngsland"werden wird.
„Wenn — so schrieb neulich (August 1899) die ,NowojeWremja' anläßlich des Projektes der Bagdadbahn — die 240000 c^kmkulturfähigen Bodens Vorderasiens mit Getreide bebaut würden,so wäre die russische Getreideausfuhr nach der Türkei, Griechenland ,Ägypten ruiniert, seine Ausfuhr nach Persien gefährdet."
Das Euphratthal zählt zu den von Natur fruchtbarsten Gegen-den der Welt; es sei, heißt es, noch weit fruchtbarer als das Nildelta ,an Fläche ungefähr siebenmal so groß wie dieses.^) Es ist derErdabschnitt, von dem der „Vater der Historie" sagte: „wir kennenkein Land, das besser zum Getreidebau geeignet wäre ... es trägtimmer au zweihuudertfältige Frucht, in gnten Jahren wohl andreihundertfältige". Jetzt ist die Landwirtschaft hier in kläglichemZustande: die Araber haben als echte Nomaden weder Geschick nochNeigung zum Ackerbau. Seitdem Mesopotamien seine Stellung alshauptsächlichster Vermittler des Handels zwischen Indien und Europa einbüßte, ist es jämmerlich zurückgegangen, an Reichtum wie auBevölkerung. Dank der Bagdadbahn wird es künftig zn einer derKornkammern des Occidents werdend)
welche die zu den Mündern gehörigen Hände aus dem jungfräulichen Landevollbringen, und wird der Fortschritt des CerealieuexdortS aus Sibirien denRückgang desselben, welcher demnächst etwa in Österreich-Ungarn eintreten kann,miudestcus wettmachen.
Im Jahre 1898 sollen, nach Angabe der Rig. Jnd.-Ztg., bereits320000 Tonnen Getreide auf den Linien des westlichen Netzes als Exportgntbefördert worden sein.
') S. o. S. 103.
2) Nach einer englischen Schätzung; vgl. Nationalztg. vom 17. August 1899.
°) Vgl. über das Enphrat- und Tigrisgebiet: Sprenger, Babylonicndas reichste Land in der Vorzeit, 1886; Artikel der D. Kolon.-Ztg., 1895,S. 393, und 1893, S. 369.
Über die Möglichkeit, durch Bewässerung die agrikole Produktion außer-