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VII. Chirurgie, Augen-, Ohren-, Zahnheilkunde.
Glasgower Krankenhause, dessen sanitäre Verhältnisse viel zn wünschenübrig ließen, vorgenommen und sind nach unseren heutigen Be-griffen recht unbeholfen, ja sogar gefährlich gewesen.
Man bedeckte die Wunden z. B. eines komplizierten Knochen-bruches mit Lint, das in Karbolsäure getaucht worden war undsah uuter dem dadurch erzeugten Schorfe die Wnnde heilen.Bei Wunden, die dnrch eine Operation hervorgerufen wurden,wusch man zuerst die zu operiereude Stelle mit 25"/<,iger Karbol-säurelvsuug (die Stärke der Konzentration erklärt sich durch uu-reiue Präparate) ab, und bedeckte sie mit einem in gleich starkkonzentrierte Lösuug getauchten Stück Verbandstoff. Vor derOperation öffnete man den Umschlag an der geeigneten Stelle undoperierte nuu gewissermaßen unter einem antiseptischen Verbände.Schließlich folgte der definitive Schlußverband, der sehr kompliziertausfiel. Nachdem durch Einlegen von Drains für den Abflußdes Wuudsekrets gesorgt war, kam auf die Wuude selbst das so-geuauute ?rotsetiv6 8ÜK, dann eine achtfache Schicht karbolisierterGaze, dann nochmals eiue Lage wasserdichten Stoffes und endlichder Schlußverband mit Gazebinden. Man nannte einen solchenVerband einen „Occlusivverband— Zu bemerken ist noch,daß die Operation selbst unter einem Nebel von Karbol gemachtwurde, den mau mittels des Richardsouscheu Zerstäubers, der unsvon der Äthernarkose her bekannt ist, erzeugte. Wir werden nunim Nachfolgenden sehen, wie sich die Methode entwickelt hat, welcheVorzüge und Nachteile ihr anhaften.
Sir Joseph Lister ist am 5. Tlpril 1827 geboren und über-gab seine Entdeckung zuerst in der Schrift: „On tks Aermtllsor)' ot' purrölaLtion anck otl^er körmsutativs okan-Zes" dem Urteile der Ärztewelt (1873), uachdem er schon vorher(1867) in kleineren Aufsätzen, die von Thamhayu übersetzt wurden,die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte. Es ist überraschend, wieschnell Listers Schlußfolgerungen allgemein in die Praxis ein-geführt wurden und wie mit der Verbreitung dieses Verfahrensrasch eingreifende Modifikationen derselben vorgenommen wurden.Andererseits ist es wunderbar, wie die Heiluugsverhältnisse ope-rierter Wuuden sich besserten, was auf die Kühnheit der Chirurgen