Anfänge der Antisepsis.
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wesentlichen Einfluß hatte. Vom Anfange an nahmen sich diedeutschen Chirurgen lebhaft der Sache an; unter ihueu sindBardeleben Volkmann, vor allem aber Nnßbanm zu nennen,welch letzterer selbst von Lister bei seinem Besuche in München in die neue Lehre eingeführt wurde und im Gegensatze zu maucheuanderen berühmten Chirurgen, die sich lange skeptisch verhielten,ein begeisterter Listerfreuud wurde und durch die Art, wie er seiueSchüler zu enthusiasmieren verstand, zu einer Zeit reichen Segenstiftete, wo man sonst noch zögernd abwog. Die Einführung inMünchen wurde dadurch erleichtert, daß vor dem Besuche Listersschon ein junger hoffnungsvoller Münchener Chirurg, Lindpaintner ,der später im kräftigsten Mannesalter einer Pneumonie erlag,wiederholt iu Ediuburg gewesen war. In Würzburg wurde zumersteu Male modern antiseptisch operiert und verbunden an demTage, an dem der II. Professor für Chirurgie, Dehler, einerseptischen Wunde erlag.
Nachdem man einmal erkannt hatte, daß es vor allem daraufankam, die pathogenen Pilze fernezuhalten resp, unschädlich zumachen, mußte auch das ganze Vorgehen beim Operieren vomFundament aus umgestaltet werden. In erster Linie wurde ver-langt, daß das Operationsfeld steril war und zweitens mußte derVerband Wundsekrete in einer Weise aufnehmen, welche derenZersetzung unmöglich machte. Aber nicht nur der zu Operierendedurfte keine Krankheitskeime mitbringen, auch der Raum, iu demoperiert wurde uud der Operateur selbst mußten davon frei sein.So lernte man die Desinfektion des Kranken, des Operationsraumes,der Instrumente, des Operateurs mit all den minutiösen Details,wie sie die moderne Technik vorschreibt, kennen. Man ist abervon den hochkonzentrierten Karbollösungen abgekommen, weil mandie Schädlichkeit derselben einsehen gelernt hat. Den Karbolsprayhat man verlassen und durch die Berieselung der Wunde mitdesinfizierenden Flüssigkeiten ersetzt, weil der ständige Spray denOperateur im genauen Sehen hindert und auch seine Hände mitder Zeit stumpf macht. Man hat ferner beobachtet, daß langedauerndes Bespülen gleichfalls Nachteile mit sich bringt, denn derKörper kühlt sich so sehr ab, daß ein Zerfall der roten Blut-