280 VII. Chirurgie, Augen-, Lhren-, Zahnheilkunde.
körperchen eintritt und die zur Zerstäubung gelangenden Antisepticakönnen resorbiert werdeu und dadurch eine Intoxikation herbei-führen. Allmählich erkannte man, daß die Lust im Operations-zimmer ungefährlich ist, wenn sie überhaupt von vorneherein keinepnthogenen Pilze enthält, und diese Reinheit der Luft läßt sich ineinem Krankenhaus eher durchführen als in der Privatpraxis.Deshalb giebt man sich damit zufrieden, nur bei außerhalb derKlinik stattfindenden Operativneu mit dem ganzen Rüstzeug vonSpray resp. Berieselung zu arbeiten. Weun immer möglich, führtmau jetzt größere Operationen nicht in der Wohnnng des Krankenaus, sondern in der Klinik; auch das Publikum hat sich längstdaran gewöhnt, in den Spitälern und Kliniken Orte zu sehen,die für die Heilung von Wunden mehr bieten als es anderswomöglich ist. Die modernen Operationssäle sind Wunder derTechnik: alles mit Heller Ölfarbe (so daß abgewaschen werdenkann) versehen, kein Holz, überall Metall nnd Steinplatten,von allen Seiten zeigt das Glänzen der Metallteile die pein-lichste Reinlichkeit. Durch Oberlichter ist für gutes und ruhigesLicht gesorgt und im Nanme herrscht eine gleichmüßige, ziemlichhohe Temperatur. Die Instrumente werden jeweils durch Aus-kochen sterilisiert, die Ärzte tragen Weiße Oberkleider, auf denenjeder Blutstropfen zu sehen ist. Bei besonders schweren Opera-tionen muß das ganze beteiligte Personal vorher baden, was auchvom Patienten verlangt wird. Die Hündedesinfektion hat eineganze Litteratur hervorgerufen und wird aufs Peinlichste durch-geführt. Einzelne Chirurgen operieren nur mit desinfiziertenHandschuhen, andere sind soweit gegangen, daß sie die Abnahmedes Bartes verlangen, kurzum, wenn irgendwo von einer raffiniertenTechnik die Rede sein kann, so ist dies bei dem Eingriff modernerChirurgen der Fall. Um diese Asepsis hat sich der BerlinerChirurg Bergmann die größten Verdienste erworben.
Da die Karbolsäure nicht nur au allgemeinen, sondern anchan örtlichen Vergiftuugen Schuld getragen hat (Karbolgangrän),so hat man Umschau gehalten, ob es nicht weniger gefährlicheTesinfizienta giebt, und verfiel unter diesem Gesichtspunkt auf dasSublimat, das in Lösuugeu von 1:1000 nnd noch mehr ver-