Asepsis.
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dünnt angewendet wird. Das Sublimat (Quecksilberchlorid) tötetschon in einer Verdünnung von 1:5000 Krankheitskeime ab,wird der Sicherheit wegen aber in einer Lösung von 1:1000verwendet. Es hat den Nachteil, daß es die Instrumente an-greift und bei länger dauernder Anwendung mitunter ungünstigauf das Allgemeinbefinden einwirkt. Bei Jndividnen, welchedazn neigen, gebraucht man Salicylsäurelösungen, Thymoloder essigsaure Thonerde; auch die Borsäure hat schwachantiseptische Eigenschaften. Gerühmt werden das Lysol und dieSilbersalze, kurzum die Zahl der antiseptischen Mittel mehrtsich von Tag zu Tag, ohne daß eigentlich ein Bedürfnis dafürvorhanden wäre. Denn an die Stelle der Antisepsis ist dieAsepsis getreten. Zum besseren Verständnis sei erwähnt, daßdie Asepsis nicht Keime töten kann uud soll, die sich an einemkranken Körper schon befinden, daß man aber den gesunden Organis-mus für keimfrei ansieht. Soll also irgendwo an einem nichtinfizierten menschlichen Körper eine Operation vorgenommen werden,so genügt es, wenn man durch geeignete Maßregeln, wie sie obenangegeben wurden und durch einen keimfreien, luftdichten Verbandden Zutritt von pathogenen Pilzen von außen verhindert. Eineso behandelte Wunde heilt rascher und schöner als eine mit Anti-septicis gereizte, weil eben alle — auch die kleinsten Schädlich-keiten ausgeschlossen sind. Die Instrumente, welche durch Erhitzenkeimfrei gemacht werden, müssen leicht zerlegt werden können,dürfen keine Vertiefungen haben, in denen sich Schmutz ansetzenkann und werden, wenn irgend angänglich, nur aus Metall her-gestellt.
Handelt es sich um eine Verletzung, bei der anzunehmen ist,daß die Wunde verunreinigt wurde, so reinigt der mit der Zeitvorgeschrittene Arzt dieselbe mit den bekannten keimtötenden Mitteln.Hat er eine schon vergiftete Wunde zu behandeln, so gebraucht erdie stärkeren Konzentrationen, im anderen Falle genügt ein einfacherSchutzverband. Um eine andauernde Desinfektion zu erreichen,nahm man seine Zuflucht zu pulverförmigen Mitteln, deren An-wesenheit antiseptisch wirkt. Uuter diesen steht das von Sergullas(1827) entdeckte Jodophorm an erster Stelle. Da dasselbe aber