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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Mechanische PhWk um 1800.

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Energieprinzipe aufzubauen und damit die hergebrachte Einteilungvon Grund aus zu verändern. Das Kompendium von I. C. P.Erxleben (17441777), welches 1772 zum ersten Male aus-gegeben wurde und nachmals, dank der Fürsorge G. C. Lichten-bergs (17441799), der seine Göttinger Vorträge danach ein-richtete, eine stattliche Reihe von Anflagen erlebte, kann als einbesonders geeigneter Ratgeber für Den empfohlen werden, der er-fahren will, was damals zu einem akademischen Kursus der Physikgehörte, und wie man bei Einrichtung eines solchen zu Werke giug.

Die mechanische Physik zog aus den uns schon bekannten Fort-schritten der reinen Theorie selbstverständlich den größten Nutzen,aber auch mit der technischen Praxis stand sie in stetiger, für beideTeile gleich förderlicher Wechselbeziehung. Die Drehwage vonH. Cavendish (17311810), welche erstmalig Masse und Dichtedes Erdkörpers genauer zu bestimmen gestattete, die Fallmaschinevon G. Atwood (17451807), die Dezimalbrückenwage vonQuintenz und Schwilgue, der hydraulische Widder von Mont-golfier, die hydraulische Presse von Bramah dies alles sindErfindungen, welche dem ausgehenden 18. Jahrhundert augehörenund klar erkennen lassen, wie weit man bereits in der Beherrschungder Naturkräfte uud in deren Nutzbarmachung zur Auflösung theore-tischer Fragen gelangt war. Die Gesetze, nach denen die strömendenFlüssigkeiten ihre Bewegung vollziehen, waren durch eine Reihe her-vorragender italienischer Hydrotechniker, veranlaßt durch die Eigen-tümlichkeiten ihres an Überschwemmungen und Flußkorrektionenreichen Vaterlandes, zum großen Teile ergründet worden, so daßerst in neuerer Zeit eine Befruchtung der Hydraulik und Hydro-dynamik mit ganz neuen Gedanken erfolgte. Die Aerostatik blicktemit Stolz auf die im Jahre 1783 gleich zweimal und zwar unab-hängig erfuudene Flugmaschine, deren Eigenschaften auch der Theorie,wie C. Kramps (17601826) im Jahre 1786 erschienenes Werkdarthut, eiuen mächtigen Anstoß verliehen. E. F. F. Chladni (17561827) hieß allgemeinVater der Akustik", und in der Thathatte der von ihm geführte Nachweis, daß man den Schwingungs-zustand von Platten und Scheiben durch die viel besprochenenKlangfiguren" siunenfallig darstellen könne, für die Einreihung dieses