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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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14 I> DerStcmdpunkt der Naturwissenschaften nm die Wende des 18. Jahrhunderts.

Krystalles nach gewissen Flächen und die dadurch gegebene Mög-lichkeit der Gewinnung kleinerer Körper von genau derselben geo-metrischen Beschaffenheit erkannt hatte. HauysStrukturtheorie",die im Jahre 1784 dem Publikum übergebeu ward, drang um soweniger rasch durch, als ihr außer Romc Delisle selbst, der demglücklichen Nebenbuhler wenig gewogen war, auch der als Stilistmehr denn als Forscher hervorragende Verfasser derklistoirsNaturells", Graf G. L. Buffon (17071788), eine sehr zurück-haltende Aufnahme bereitete. Wesentlich seiner Lehrthätigkeit, vor-erst an der Normalschule und nachher am naturgeschichtlichen Museum,hatte er es zu dankeu, daß seine neuen Anschauungen den Siegerrangen, der mit seinem"Ir-nts äs rainÄ-ÄlvAis" (Paris 1801)gesichert erschien. Derselbe war insbesondere auch hinsichtlich derVollzähligkeit der untersuchten Krystallformen nicht leicht zu über-treffen, und wenn auch die mathematische Begründung, welcheHauy seinen molekulartheoretischeu Lehren verlieh, keineswegsals einwurfsfrei gelten konnte, so verbleibt ihm doch der Ruhm,die Mineralogie auf jene unerschütterliche Grundlage gestelltzu haben, von der aus sie ihren heutigen hohen Stand er-reichen sollte.

Es ist schon davon die Rede gewesen, wie die theoretischeSternkunde, indem sie sich auf das engste an die gewaltigen Fort-schritte des analytischen Teiles der Mathematik anschloß, in derzweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zn den tiefsten Einsichten indie Konsequenzen der Newtonschen Lehre von der allgemeinenKörperschwere gelangte. Aber auch die beobachtende und messendeAstronomie blieb nicht zurück. Johu Dollond(17061761) hatte,indem er je eine hohle und erhabene Linse aus verschiedenen Glas-sorten zusammenfügte, die bisher so lästige Farbenzerstreuung imFernrohre auf ein nicht mehr störend wirkendes Minimum herab-gedrückt, und seiue Söhne John und Peter versorgten alle einhöheres Ziel anstrebenden Beobachter mit solchen achromatischenTubeu, durch welche sowohl die feinere Einstellung, als auch diegenauere Betrachtung von Einzelheiten an den Oberflächen deruns näheren Weltkörper gewährleistet wurden. Der Neffe Georgedes älteren John hat den Familiennamen bis zum Jahre 1852