22 I- DerStnndpnnkt der Naturwissenschaften nm dieWende deS 18. Jahrhunderts.
Weltmeere durchfurchenden Strömungen auf. Auch die terrestrischePhysik des Festlandes nahm eine ganz andere Richtung, seitdemman die Gebirge, vor deren Ersteigung man noch vor kurzem scheuzurückgeschreckt war, nicht mehr mied, sondern in ihnen ein be-sonders anregendes und verheißungsvolles Objekt der Forschungerkannt hatte. Der Züricher I. I. Scheuch zer (1672—1733)hatte sich um die Schaffung einer alpinen Physik bemüht, undwas bei ihm noch sehr das Gepräge eines ersten Anfanges trug,war von dem Genfer H. B. de Saussure (1740—1799), einemebenso fleißigen und zielbewußten, aber zugleich unverhältnismäßiggenialer veranlagten Manne, in eine auch fehr hohen Anforde-rungen genügende Form gebracht worden. Eine besondere Gletscher-lehre konnte auch nur auf schweizerischem Boden erwachsen, woaußer den Genannten Altmann und Grüner ihr Interesse für dieEisströme des heimischen Hochgebirges durch selbständige Werkedarüber zum Ausdrucke brachten.
Eine scharfe Trenuuug zwischen Geophysik und Geologie gabes noch nicht nnd konnte es nicht geben, da ja selbst noch inunseren Tagen eine den etwaigen Gegensatz beider präzis um-schreibende Begriffsbestimmung nicht geglückt ist. Als „Theorieder Erde" bezeichnete man durchweg die im 18. Jahrhundert nurallzu sehr sich häufenden Versuche, die Entwicklung unseresPlaneten aus seinem Urzustände heraus bis in die Gegenwartnnter einheitlichen Gesichtspunkten darzustellen. Lichteuberg hatin seiuer regelmäßigen Göttinger Universitätsvorlesung nicht wenigerdenn sechzig solcher Systeme teils bloß angeführt, teils einerPrüfung unterzogen. Durchweg befehdeten sich Neptu nisten undPlutonisten, und in der Regel stellte sich jede der beiden Richtungenauf den extremsten Standpunkt, ohne zu bedenken, daß der Naturzur Erzielung ihrer Effekte mehr Mittel zu Gebote stehen, alseinseitiger Menscheusinn häufig ahnt. De Maillet dachte sich denErdkörper einem allmählich eintretenden Tode dnrch Verschwindenaller der Erde angehörigen Wassermassen entgegenstrebend; Mvrohinwiederum erkannte keine Gebirgsbildung an, die nicht in derHebekraft des unterirdischen Feuers ihren letzten Grund hatte.Gegen das Ende des Jahrhunderts schien der Sieg des Wassers