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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Altere geologische Theorien.

entschieden, denn in dem sächsischen Bergwerkskundigen A.G.Werner (1750 1817), dessen Name die neue Montanakademie zu Frei-berg in raschen Flor brachte, war der Sache Neptuns ein mächtigerKämpe entstanden, der die Abscheidung des ganzen Bodenreliessaus dem dereinst überall flutenden Meere als eine unzweifelhafteThatsache erwiesen zu haben schien. Die vulkanischen Erscheinungenbehandelte er mit souveräner Nichtachtung, ohne daß die ans Autopsieberuhenden Gegenerklärungen eines Lord Hamilton, Breislak,Dolomieu, Ferber, v. Dietrich dagegen aufkommen konnten.Alles übrige fügte sich willig dem Werner scheu Gedankenkreise ein.Die eben erst aus bloßem Spielen mit Naturseltenheiten zu selb-ständiger Bedeutung gelaugte Versteineruugskunde, iu welcherder Deutschbvhme I. v. Born (17421791) den entscheidendenFaktor für eiue exakte geologische Schichtuugslehre erkannte, sprachfür eine ehemalige Wasserbedeckung der Erdoberfläche. Die vonden schwedischen Gelehrten aufmerksam verfolgte Grenzverschiebnngdes Meeres und Festlandes mochte einen selbst in der Gegenwartnoch nachwirkenden Beleg für den langsamen Rückgang des Wassersliefern. Endlich war anch die thalbildende Aktion des fließendenWassers von Rimrod und L. Heim mit glücklicher Inspirationersaßt worden, so daß der Wirkungskreis der plutouischen Kräfteimmer mehr in sich selbst zusammeuschwand. Im Jahre 1800konnte, wenigstens auf dem den Ideen Werners am meistenunterworfenen deutschen Boden, der endgiltige Sieg der Neptunistenkaum noch angezweifelt werden.

Wir schließen damit unseren Nnndgang durch die einzelnenanorganischen Naturwissenschaften im Aufklärungszeitalter ab.Allüberall durften wir von regen Fortschritten, von rührigem Vor-wärtsstreben, von einer wahren Flnt neuer, hie und da vielleichtnoch etwas unreifer Ideen Kenntnis nehmen. Der revolutionäreGeist, welcher soeben eine neue Ära im staatlichen und bürgerlichenLeben zeitigte, übertrug sich auch auf die Wissenschaft, nnd unerbitt-liche Kritik des Bestehenden war auf allen Gebieten zur nnabweis-lichen, zur obersten Pflicht geworden. Wem nur diese Vor-bereitungszeit gegenwärtig ist, der muß zu dem Glaubeu kommen,daß es anch im ueuen Jahrhundert ein gleich reges, ja unaufhalt-