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II. Das Interregnum der Natnrphilosvphie,
Naturphilosophie und Naturphilosophen hat es vonallem Anfang an gegeben. Die Jonier, die Pythagoräer, dieEleaten erprobten ihren Scharfsinn an den zahllosen Rätseln,welche jeder Blick in die umgebende Welt dem Menscheu vorlegt,und der größte Systematiker des Altertums, Aristoteles , muß,wie seine „Physik" und sein Werk „Vom Himmel" beweisen, eben-falls dieser Kategorie zugerechnet werden. Wesentlich philosophischgehalten sind anch die durchaus uicht sämtlich schwächlichen, sonderngelegentlich von eindringendem Scharfsinn zeugenden kosmologischenErklärungsversuche des arabischen und christlichen Scholastizismus.Niemals aber tritt das empirische Element völlig zurück; selbst eiuThomas Aauinas, um nicht von den noch umfassenderen Denkern,einem Maimonides und Albertus Magnus , zu sprechen, ziehtErfahruugsbelege bei, so oft die mangelhaft ausgebildete Beob-achtungs- und Experimentalwissenschaft seiner Zeit es ihm er-laubt. Anders gingen die deutschen Naturphilosophen zuwerke,als deren bekannteste und thatkräftigste Repräsentanten F. W. I.Schelling (1775 — 1854) nnd Hegel dastehen. AuchI. G. Fichte (1762— 1814) weist, obwohl seine eigentlicheBedeutung auf dem ethischen und religionsphilosophischen Feldeliegt, mannigfache Beziehungen zu den beiden Württembergernauf, denen, fo abgrundtief der Unterschied zwischen der von ihnengepflegten und der uns gelausigen Denkweise auch sein mag, dochgleichwohl ein geradezu unermeßlicher Einfluß auf das Geistes-leben ihrer Zeitgenossen nicht abgesprochen werden kann. Ohnejede Übertreibung darf gesagt werden, daß die deutschen Univer-sitäten ein Paar Jahrzehnte lang ganz in Schelling -HegelschenGedankenkreisen sich bewegten, und daß auch auf die Naturwissen-schaften eine tiefgehende Einwirkung geübt wurde, die freilichder objektive Historiker nicht als segensreich wird gelten lasseuköunen.
Die ganze Natur ist, das war schon Ficht es Grundgedanke,aus dem Ich heraus abzuleiten; damit war zugleich ausgesprochen,daß folgerichtiges Denken anch in natnrwisfenschaftlicher Beziehungzu keinem falschen Ergebnis sühren könne. Schellings „Ideenzu eiuer Philosophie der Natur" (Jena 1797) gehen davon aus,