Die Hegelianer.
Zeugnis ablegende „Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften"(Heidelberg 1817). Was die Natur anlangt, so ist sie gewisser-maßen als latente oder versteckte Intelligenz zu denken, und demPhilosophen liegt es ob, diesen seiner wahren Beschaffenheit ent-fremdeten Geist wiederzugewinnen. Die Materie wieder stellt sichdar als das Außersichsein der Natur in seiner allgemeinsten Form.Mechanik, Physik und Organik sind die drei Wissenszweige, welcheden proteusartigen Veränderungen der Materie nachzugehen undderen Verkettung mit dem höchsten Natnrgebilde, dem Menschen, klar-zustellen haben.
Die sogenannten Hegelianer, welche, bald unter sich wiedervielfach zersplittert, den von ihrem großen Lehrer geknüpften Fadenfortspannen, bekundeten größtenteils keinen rechten Sinn mehr sürdie Naturphilosophie. Rosenkranz, Gans, Michelet , A. Rngeund wie die in einer Geschichte der deutschen Geistesströmnngenmit Ehreu zu nennenden Diadochen heißen mögen, haben die reineLogik, die Ästhetik, die Geschichte der Philosophie und vor alleindie Anwendung der Philosophie auf Rechts- und Staatswissen-schaften weitergebaut, aber der Naturwissenschaft standen sie gleich-giltig gegenüber. Mit Hegels Hintritt war der schöne Traumeiner Wissenschaft von den natürlichen Dingen ohne entsagungs-volles Versenken in die Einzelheiten so gut wie ausgeträumt. Eshat noch nach ihm Naturphilosopheu gegeben, und es giebt derenheute uoch, aber die ernste Wissenschaft ist nicht mehr daraufangewiesen, sich um sie zu kümmern. Mit dem ihn auszeichnenden,scharf pointierten Humor hat A. v. Humboldt den Stand derDinge gezeichnet, wie er sich nm jene Zeit einem Wissenden dar-stellte. Als ihn 1827 der Wunsch seines Königs veranlaßte, denlieb gewordenen Pariser Aufenthalt mit demjenigen in seiner Vater-stadt zn vertauschen, bereiteten ihm die Bewillkommnnngsartikelder Berliner Zeituugeu einigen Ärger" denn diese rühmten vonihm, daß er nicht bloß in der gewöhnlichen Naturforschung einigeLeistungen aufzuweisen, sondern auch das größere Verdienst habe,mit Schelling und Hegel zu den Höhen natnrphilosophischenErkennens anfgestiegcn zn sein, ohne daß ihm dabei, wie demgewöhnlichen Empiriker, „der geistige Atem versetzt wurde".
Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 3