Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

Neue mathematische Disziplinen,

.17

der Vergangenheit in Ehren hielten, und wo durch eine Fülle vonZeit- und Akademieschriften eine vorzügliche Gelegenheit zur raschenVerbreitung neuer Erfindungen und Entdeckungen gegeben war.

An der Spitze aber marschierte ohne alle Frage Frankreich oder, wenn wir uns ganz bestimmt ausdrücke» sollen, Paris ,denn niemals vorher und nachher hatte die Zentralisierung desLaudes einen so hohen Grad angenommen, als zur Zeit des Direk-toriums und des ersten Kaiserreiches. Nicht leicht jemals habensich wieder auf so kleinem Raume so viele große Mathematikerzusammengefunden, wie dies in Paris während der Jahre 1790bis 1820 der Fall war. Hier arbeitete noch immer Laplace anden füns Bänden seinerUsoanicius oslssts", deren letzter 1825herauskam. Hier schuf Lagrange dieNsoanicius knal^ticius"(2. Auflage 18111815), die erste strenge, rein analytische Her-leitung der Lehre von Gleichgewicht und Bewegung aus einemMinimum vou Erfahrungsthatsachen, und kurz zuvor hatte erschon eiue neue, ebenso geistvolle wie verwendbare Methode derAuflösung von Zahlengleichungen bekannt gemacht, welche demAstronomen wie dem Physiker gleich willkommen sein mußte.Hier bildete gleichzeitig, geleitet durch seiue Behandlung des Pro-blemes von der Auziehuug der Ellipsoide, neue Nechnnngsvorschriftenfür die Jutegratiou algebraischer uud transszendeuter Funktionender unermeßlich fleißige A. M. Legendre (17521833) aus, derauch an der Berechnung der großen geodätischen Operationen zugunsten des Metermaßes einen wesentlichen Anteil hatte. Hierentstand im Kopfe des genialen Soldaten G. Monge (1746 bis1818), den Napoleon I. besonders würdigte, eine neue Disziplin,die darstellende Geometrie, welche auch den Naturwissenschaften,die ja so häufig sich auf eine übersichtliche Veranschaulichung ver-wickelter räumlicher Verhältnisse angewiesen sehen, den größtenVorschub geleistet hat. Hier legte Baron G. C. F. Prony (17S5bis 1839) den Grund zu einer exakten Hydrodynamik und zu einerrationellen Anwendung der Mathematik aus alle Zweige desMaschinenwesens. Hier gab L. Puissant (1769 1843) derTopographie, wie er es nannte, d. h. der einheitlichen Gelände-zeichnung, die geometrische Grundlage. Eine geradezu unerschöpf-