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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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Das Potential.

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unseren Tagen irgend eine physikalische, astronomische, ja sogargeologische oder chemisch-theoretische Abhandlung zu lesen unter-nimmt, mnß darauf gefaßt sein, dieses Wort in denkbarst ver-schiedener Gedankenverbindung wiederkehren zu sehen, ohne daß injedem Einzelfalle dem, welcher sich des analogen Begriffes bediente,der Znsammenhang desselben mit weit älteren Definitionen voll-kommen klar zn sein brauchte. Lagränge war zuerst daraufverfallen, daß, wenn mau die vou irgend einem Körper nach demNewtonscheu Gesetze ans einen beliebigen Massenpunkt geübteAnziehungskraft bestimmen will, eine gewisse Funktion der Koordi-naten dieses Punktes die entscheidende Rolle spielt; differentiiertman die Funktion nach den drei Veränderlichen x, ^, 2, so stellendie drei Differcntialanotienteu die drei uach deu Achsen genommenenSeitenkräfte dar, und damit ist auch die gesuchte Anziehnngsgrößenach Maß und Nichtnng gegeben. Nach uud uach stellte es sichheraus, daß eine solche Funktion immer vorhanden ist, nach welchemGesetze immer die Attraktion sich richten möge; dies ist eben diePotentialsnnktion, welche Bezeichnung man, obwohl der umihr Studium hoch verdiente Clausius eine Trennung aufrecht-erhalten wissen wollte, als mit Potential gleichwertig gelten znlassen pflegt. Dnrch Gans; und den Engländer G. Green (1793bis 1841), eiueu durch eigene Kraft vom Handwerker zum Professorin Cambridge angestiegenen Gelehrten, wnrde mehr und mehrder universelle GeltnngSbereich des immer noch wesentlich rechne-risch behandelten Begriffes aufgedeckt, bis es dann Helmholtzgelang, jenem einen unmittelbar greifbaren Sinn unterzulegenund ihm damit die gesamte Natnrwissenschaft dienstbar zu machen.Seitdem man weiß, daß das Potential nichts anderes als einegewisse immer wiederkehrende Arbeitsgröße ist, sind die früherenUntersuchungen, die zunächst nur deu Mathematiker interessierenzu können schienen, in ein ganz neues Licht gerückt worden.

Alle die großen Nenernngen des Jahrhunderts, soweit sie unsbisher beschäftigte,:, hatten doch das miteinander gemein, daß fiesich gleichmäßig auf die uralteu Ncgelu der gewöhulicheu Arithmetikstützten, daß die nämlichen Regeln auch für sie maßgebend waren,nach welchen das Rind in der Elementarschule rechnen lernt.