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IV. Alexander v. Humlwldt.
auf die er zeitlebens viel gehalten hat, und die er in Berlin undPotsdam schmerzlich vermißte. Das Berlin der dreißiger undvierziger Jahre war eben anch nicht das der Jahrhundertwende,und weun sich später ein regeres Leben dort entwickelte, sotrug dazu Humboldts Beispiel uud Anfeueruug nicht zumwenigsten bei.
Als erste große Aufgabe trat an ihu die heran, das Reise-werk herauszugeben; bei dieser Arbeit unterstützten ihn die nam-haftesten französischen Gelehrten, uud uicht minder hatte er sichtüchtiger deutscher Mitarbeiter — I. Oltmanns (1783—1833)für astronomische Geographie, Willdeuow und Kunth sür Botanik— zu erfreuen. Leider war das Gesamtwerk auf einen so gigantischenUmfang berechnet, daß nicht eine einzige Bibliothek sich des Besitzesaller Bände rühmen kann, lind mehr denn zwei Dezennien nahmdie gewaltige Redaktionsarbeit in Anspruch. Seit 1823 hielt ersich dann vorübergehend, seit 1827 dauernd wieder in Berlin ans,als Kammerherr uud Berater zweier Könige eine eigenartige, vonden Hofleuten nicht eben gerne gesehene Ausnahmestellung miteiner — für das damalige Preußeu — hohen Bezahlung einnehmend.Als „unverantwortlicher Unterrichtsminister" hat er so unsäglichviel Gutes im Stillen gewirkt, Talente in ihrer Entwicklunggefördert, wissenschaftliche Institute ins Leben gerufen, die Besetzunghöherer Lehrstellen mit hervorragenden Lehrkräften ermöglicht. Dietreffliche Humboldt-Biographie, welche der Astronom K. G. Bruhus(1830—1831) im Jahre 1872 zu Leipzig herausgab, uud fürdereu einzelne Abschnitte angesehene Vertreter der Geschichte nndNaturwissenschaften gewonnen worden waren, setzt uns in denStand, die Thatkraft und Humanität des politisch und ethisch nochganz in die Atmosphäre des großen Ausklärnngszeitalters gehörendenMannes zu bewundern, dein man kleine Schwächen gerne als fastunvermeidliche Nanddekorationeu eines schönen Lebensbildes nach-sieht. Als eine solche Schwäche, die aber hinwiederum eine Stär-kung des gauzen Wesens dieser einzig dastehenden Persönlichkeitausmacht, mag man seine Hinneigung für französische Lebeusweisehinnehmen. Alljährlich einige Wochen in Paris leben zu dürfen,hatte er sich gleich bei der Berufung von seinem Monarchen ans-