Populärwissenschaftliche Verträge,
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gebeten, und so manche Mißlichkeiten nnch diese, Jahrzehnte hin-durch einen Teil seines Daseins ausfüllende Reise in einer nocheisenbahnlosen Zeit mit sich brachte, so konnte ihn doch erst dieUnbehilflichkeit des höchsten Alters einer lieb gewordenen Gepflogen-heit entfremden. Als der bis zum letzten Atemzuge geistesfrischeGreis „in unwahrscheinlichem Alter" — sein Lieblingsausdruck —ins Grab gesunken war, da hatte die ganze gebildete Welt dasGefühl, daß der Besten einer geschieden, und daß eine nicht aus-zufüllende Lücke entstanden sei. Kein Mann der Wissenschaftmehr hat je wieder eine gleich einflußreiche, gleich angeseheneStellung eingenommen, was freilich auch mit dem oben erwähnteil,noch 1859 ungeahnten Aufschwünge der Einzelforschung ans allenGebieten zusammenhängt.
Die geistige Erbschaft, welche er den jüngeren Generationenhinterließ, war eine ungeheure, aber als eines ihrer wichtigstennnd wertvollsten Stücke mnß die Nachwelt das Streben nach edlerPopularität in Ehren halten. Vorträge für ein größeresPublikum wurden wohl in Großbritannien schon im 18. Jahr-hundert abgehalten, aber auf deutschem Boden kannte man bisdahin nur ansehnlich honorierte Vorlesungen für eiuen ausgewähltenHörerkreis aus den oberen Gesellschaftsschichten. So hatte derjnnge Humboldt selbst das technologische Kollegium des PropstesZoelluer und die ästhetisch-Psychologischeu Canserien des Ber-liner Modeschriftstellers Moritz für sein gutes Geld gehört.Später hatten, wie schon erwähnt werden mußte, Schlegel undSteffens mit solchen Darbietungen viel Aufsehen erregt, aberdurchweg stand eigentlich die Person des Redners im Vorder-gründe, und die von ihm ausgehende Belehrung konnte bestenfallseine euge begrenzte sein. Ganz anders hielt es Humboldt. Wahr-scheinlich gehörten zu den Motiven, die ihn zu diesem seinemVorgehen bewogen, die Nachrichten, die er von seinem intimstenfranzösischen Freunde, dem trefflichen Physiker F. Arago (1786 bis1853) empfing; denn ebenso wie dessen Artikel im „^.nnuairs cludursau äss loi^itucles" wahre Master für die Knnst sind, auchschwierige Gegenstände klar und überzeugend abzuhandeln, fo hatteer auch dnrch seine Vorträge über Astronomie nnd Physik die