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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
64
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IV. Alexander Huniboldt.

liches Naturerkennen eine gedrängte Schilderung des Universumsund besonders unseres Planeten; der zweite ist rein historisch gehaltennnd dürfte, rein sachlich genommen, derjenige Teil sein, dem füralle Zukunft der bleibendste Wert beigemessen werden wird. Muster-giltig ist die Charakteristik der Griechen, der Araber, des Ent-deckungszeitalters. Die Astronomie füllt deu dritten Band, dieGeophysik den vierten, dessen umfassende Aufklärungen über dasvom Autor stets mit besonderer Vorliebe behandelte vulkanischePhäuvmeu ebenfalls niemals gänzlich veralten können. Ein unge-heures Wisseu, in welchem eben die polyhistorische Anlage desMannes, seine für Großes und Kleines im Reiche der Forschunggleich liebevoll empfindende Individualität zum klarsten Ausdruckgelangt, drängt sich in den kleingedruckten Noten zusammen, dieauch jetzt noch für den, der auf dieseu Gebieteu arbeiten will,eine Fundgrube bilden. Humboldt verschmäht es nicht, vonAnderen zn lernen; alle ihm befreundeten Gelehrten und werhätte sich uicht geehrt gesuhlt, dieser Schar sich zurechueu zudürfeu? setzt er wegeu Notizen und Erläuterungen in Kontri-bution, und stets wird, mit peinlicher Genauigkeit, der Namedessen mitgeteilt, dem irgend eine litterarische Kleinigkeit verdanktward. An Humboldts Sprache hat man wohl ausgesetzt, daß siefür exaktwisseuschaftliche Forschung zu schwungvoll und bilderreichsei, daß sein Stil dann uud wanu au französische Vorbildergemahne, uud dergleichen mehr. Wir lassen solche Einwürfegelassen auf sich beruhen. Wenn nämlich auch vielleicht derenBerechtigung uicht immer bestritten werden kann, so erkennenwir doch schon ein ungeheures Verdienst darin, daß gegen dietrostlose Dürre der älterm Naturforscher uud Naturbeschreiberauf der einen, gegen die majestätisch-mysteriöse Hohlheit derNatnrphilosophen auf der anderen Seite ein Gegengewichtgeschaffen wurde. Was vielleicht zu großartig, weuu man will,zu poetisch war, ließ sich leicht abstreifen, und das Gute bliebbestehen. Die Welt überzeugte sich, daß es möglich sei, schwierigeund oft abstrakte Fragen in einer Schreibart abzuhandeln,welche sich neben den besten stilistischen Mustern seheu lasseukouute.