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Auch die übrigen, sehr zahlreichen Schriften und AufsätzeHumboldts sind des Lobes gleich würdig, welches wir seinerbedeutendsten Leistung zu spenden veranlaßt waren, aber sie hattennicht die Bestimmung, ans einen weiteren Leserkreis zu wirken, uudkönnen deshalb an dieser Stelle füglich übergangen werden. Da-gegen ist noch eines kleineren, bescheidenen Werkchens ehrendeErwähnung zu thun, welches sich neben dem „Kosmos" als einKabinettstück naturwissenschaftlicher Schriftstellern bis znr Gegenwarterhalten und unaufhörlich die Leser hingerissen hat. Im Jahre1808 veröffentlichte der damals noch in Paris lebende, an derSchwelle seiner Nuhmeslanfbahn stehende Gelehrte seine „Ansichtender Natur", ein kleines Bnch, aber ebenso reizvoll wie inhalts-reich. Der Essay „Über die Steppen nnd Wüsten" ist ein Meister-werk vergleichender Charakterzeichnnng physisch-geographischer Ver-hältnisse; die „Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse" führenerstmalig, getragen von einer unermeßlichen Erfahrung, aus, daßdas Antlitz der Erde nicht bloß von der unbelebten, sondernviclenorts gerade von der unbelebten Natur in seinen Grnndzügeubestimmt wird. Noch heute giebt es für einen jungen Natur-forscher oder Geographen, der selbst znr Erforschung fremder Länderausziehen will, kaum ein passenderes Geleitsbüchlein. Auch die„Ansichten" sind einer Übertragung ins Französische, EnglischeHolländische und Russische teilhaftig geworden.
Wir halten dafür, daß auch schon die bisher kurz gewürdigteschriftstellerische Thätigkeit Humboldts eine Geistesarbeit vonunvergänglichem Werte darstellt, und wenn er auch sonst keineZeile geschrieben hätte, wären die Annalen der Wissenschaft genötigt,seinem Namen einen Ehrenplatz anzuweisen. Es ist jedoch auchim übrigen genug vou seiueu Leistungen hervorzuheben. Vorallein seine ausgedehnten geschichtlichen Untersnchnngen, die ja, wiewir erfuhren, dem zweiten Bande des „Kosmos" so sehr zu stattengekommen sind. Wie er in den von Historie uud Völkerkundeuns überlieferten Zahlensystemen der verschiedensten Stämme denleitenden Faden aufzeigte, ebenso hat er bahnbrechend gewirkt fürdie Geschichte der Entdeckungen und der nautischen Astronomie.Die Geographie und Kartographie des neuen Erdteiles hat er als
Günther, Anorganische NaiurnMenschaften. ö