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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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IV. Alexander v, Humboldt.

erster durch seine überaus zahlreichen Breiten-, Längen- und Höhen-bestimmungeu soweit fixiert, daß einigermaßen vertrauenswerteKarten der von ihm durchzogenen Lander angefertigt werdenkonnten. Ungemein zahlreich sind seine kleineren geologischen undmineralogischem Arbeiten, welche mit Vorliebe auf den schon inseinen Jugendversuchen hervortretenden Gedanken zurückgreifen, daßes möglich sein müsse, Gesetzmäßigkeiten in der Streichnngsrichtungund Gesteinsbeschassenheit der großen Erdgebirge ausfindig zumachen; mag er dabei hie und da zn sehr verallgemeinert haben,so verhalf ihm doch sein feiner Blick zu einer Fülle von richtigenEinzelerkenntnissen. Schon bald nach feinem Ausscheiden ausWerners unmittelbarer Schule hatte er, von den italienischenFenerbergen ausgehend, die nevtunistischen Dogmen abgestreift, undin Amerika sah er seine nen gewonnenen Anschauungen über dievulkanischen Erscheinungen voll gerechtfertigt.

Die Physik der Erde war es überhaupt, zu der sein vonden mannigfachsten Neigungen und Interessen gefesselter Geistimmer wieder, als zu seiner eigentlichsten Domäne, zurückkehrte,und auf diesem Felde war ihm auch seine reifsten Früchte zubrechen beschieden. Ihm gelang, was über hundert Jahre zuvorI. Sturm und Leibniz vergebens angestrebt hatten, die Aus-dehnung eines Netzes geomagnetischer Beobachtungen überdie ganze Erde. Rußland und England konnten sich seinerunermüdlichen Agitation nicht entziehen; der jetzt allseitig ange-nommene und zumal von den internationalen Polarstationen be-währt gefundene Plan der Terminbeobachtungen rührt von ihmher. Er lehrte die Beobachter das früher vernachlässigte Elementder magnetischen Stärke, welches er bei jeder sich darbietendenGelegenheit durch Schwingnngszühlungeu ermittelte, nach Gebührberücksichtigen, und noch als alter Mann scheute er die Mühenicht, sich iu Gauß' schwierig zu lesende Abhandlungen über dasmagnetische Potential der Erde hineinzustndieren und sich Klarheitdarüber zn verschaffen, daß, wenn diese Größe bekannt ist, diemagnetischen Koordinaten irgend eines Ortes, falls der etwasuneigentliche Ausdruck gestattet wird, leicht durch Rechnung herzu-leiten sind. Auch geht auf Humboldt , wie die drastische Bezeich-