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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
67
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Die Isothermen.

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uung magnetisches Ungewitter, so der Nachweis zurück, daßjedes Polarlicht, wenn es sich sogar nicht über den Horizont desBeobachtungsortes erhebt, die Deklinatorien und Magnetometerin Unruhe versetzt.

Ein ganz besonders, gründliches Augenmerk richtete Humboldt stets auf die Normen, nach denen sich die Wärme Verteilungauf der Erdoberfläche richtet. Sowohl die Wärme der Meere,wie auch die Abnahme der Temperatur mit der Höhe studierte ereifrig, und schon frühzeitig bemühte er sich, ein Gesetz für denVerlauf der Schneegrenze im Hochgebirge zn erkennen. In denAnden hatte er viele darauf bezügliche Beobachtungen angestellt;war ihm doch anch nahezn die Ersteigung des Chimborayogeglückt, den man in jenen Tagen noch für den höchsten allerirdischen Berge hielt. Humboldts am meisten in die Augenfallende und wirklich auch folgenreichste That war aber die Ein-führung des Begriffes der Isothermen oder Linien gleichermittlerer Jahrestemperatur.Humboldt ist", so äußert sichMeinardus in seiner Studie über diese neueGraphik",derBegründer der vergleichenden Methode in der Klimatologie." Fürdie horizontale magnetische Erdkraftkomponente hatte allerdingsHalley schon viel früher eine solche kartographische Darstellungangebahnt, welche nachmals von Wilcke auch auf die Inklinationausgedehnt worden war, aber weitere Frucht hatte der originelleGedanke vorderhand nicht getragen. Humboldt war demgemäßeiu Erfinder, und als schöpferischer Geist wußte er auch gleichaus den neuen Diagrammen wichtige Schlüsse zu ziehen. Diebeiden großen, unser physisches Klima im Gegensatze zum solarenbestimmenden Antithesen Küsten- nnd Kontinentalklima,Tiefen- und Höhenklima sind von ihm der Wissenschaft einver-leibt worden, und vermittelst des Zwischengliedes der vergleichendenKlimakunde wurde er auch zum thatsächlichen Begründer einesbislang nur in schüchternen Ansängen vorhanden gewesenen Wissens-zweiges, der Pslanzengeographie.

Wir sind weit entfernt, mit dieser unserer Aufzählung Hum-boldts Bedeutung als Spezialforscher für einigermaßen erschöpfendgewürdigt zu erachteu. Im Gegenteile, wer sich dieser Ausgabe zu