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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
69
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Die Nnturfvrscherversanimlungen.

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naturnnssenschaftlicher Forschung und als leuchtendes Vorbild füralle Diejenigen da, die nicht wünschen, daß der Palast der Wissen-schaft in ein bloßes Nebeueiuander von Kammern zerfallen möge,deren Bewohner Sprache und Sitte der Nachbarn nicht mehrverstehen, ja nicht einmal mehr im Nichtverstehen einen Nachteilerblicken.

Solche Erwägungen waren es auch, welche unserem Helden esnahe legten, mit seiner Autorität sür eiue damals neue und nochwenig eingelebte Veranstaltung einzutreten, deren innere Kraftund nationale Bedeutung er sofort richtig erfaßt hatte. Währender seinen dauernden Wohnsitz noch in Paris hatte, waren dieVersammlungen deutscher Naturforscher uud Ärzte insLeben gernfen worden, ein treffliches Mittel, um in der Vielheitdie Einheit zu wahren und der verbindenden Ideen eingedenk zubleiben. Oken, der philosophische Natnrhistoriker, dessen ZeitschriftIsis" viel gelesen ward und Staatsmännern vom SchlageMetternichs Gruseln erregte, hatte den Plan entworfen undseine Verwirklichung in die Wege geleitet; wer Oken kennt, weißauch, daß ihn, den unerschütterlichen Freiheitsmann nnd treuenFreuud der Burschenschaft , der Wunsch leitete, in trüber Zeit demvon der Obrigkeit verpönten vaterländischen Gedanken wenigstenseine Hinterthüre zn öffnen. So war man 1822 in Leipzig und1823 in Halle zusammengekommen, und was sich anfänglich sehrunscheinbar angelassen hatte, erwies sich in Bälde als eine kräftige,fortbildungsfähige Schöpfung. Die Münchener Tagung von 1827beschloß, auf direkte Einladung hin, Berlin znm nächsten Ver-sammlungsorte zn wühlen, nnd der auf Humboldts Rat hörendeKönig gab seine Zustimmung, sehr znm Entsetzen derScharsmacher"seiner Umgebung. Am 18. September 1828 begann die ersteNatnrforscherversammlnng unter Humboldts Präsidium; dieBeteiligung war eine unerwartet große, nicht minder die Gewichtig-keit der Namen vieler Teilnehmer. Gauß, Berzelius , Oersted,De Candolle waren erschienen, nnd die persönlichen Eindrücke,welche jeder der Teilnehmer mit nach Hanse nahm, scheinen über-wältigende gewesen zn sein. Die Antrittsrede des Präsidentenkennzeichnet ein Znhörerals ein Meisterstück ihrer Art an Frei-