Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

7i!

V. Die Astronomie bis zum Jahre 1846.

gehörigen Flecken Lilienthal nächst Bremen wohnte und seine Kennt-nisse ebenso wie sein stattliches Vermögen ganz in den Dienst derHimmelssorschuug stellte. Seine dort erbaute Sternwarte, mitneuen Spiegclinstrumenten ausgestattet, wirkte lauge Jahre, bisdaun 1813, als die Wogen des Befreiungskrieges auch diese fried-liche Stätte überfluteten, französische Soldaten Ort und Observa-torium niederbrannten. Der alte Mann konnte sein schweres Schick-sal nicht lange überleben; er verließ den Platz seines ruhmvollenWirkens mit gebrochenem Herzen nnd starb 1816 in seiner Vater-stadt Erfurt .

Herschels wie Schroeters hervorragendste Arbeiten gehörendem 18. Jahrhundert an, aber es ist doch auch für das 19. nochgenug übrig geblieben. Der Erstere hat bei seinen späteren Ar-beiten vorzugsweise die Stellarastronomie im Auge gehabt. Erarbeitete seinen trefflichen Katalog der Nebelflecke ans, verfolgte kon-sequent die Bahnen der Doppelsterne, von denen er noch in seinemTodesjahre 145 neue Positionen mitteilte, und bestimmte genauerden Apex, d. h. den Pnukt, gegen den sich nnser Sonnensystem imWeltenraume bewegt. Eine neue, erst in unseren Tagen wieder auf-genommene und auch für die Zukuuft viel versprechende Forschungs-richtnng bahnte er an durch seine Sternaichungen; er ermittelte,wie viele Fixsterne sich an verschiedenen Teilen des Firmamentesin dem Gesichtsfelde feines Niesenfernrohres zeigten, und schloßdaraus auf die räumliche Verteilung der Sternsysteme mitbesonderer Berücksichtiguug der Gegend der Milchstraße . Nebenhergingen Beobachtungen über Kometen, über Saturn, seinen Ringund seine Monde, über Uranus nnd Vesta. Das Jahr 1801brachte die wohlbekannte Hypothese über die Sonnenflecke, welchefast sechzig Jahre lang so gut wie unangesochten blieb, allerdingsjedoch schon 1774 von A. Wilson und, minder bestimmt, 1771von dem Württemberger Schulen (17221790) angedeutet wordenwar. Die Sonne ist danach eine absolut dunkle, aber von einemLichtmantel, der Photosphäre, umgebene Kugel; wenn die Hüllegelegentlich zerreißt, blickt man ans den dunklen Kern hinab, undder Halbschatten, den man zumeist das Innere des Sonnenslecksumgeben sieht, rührt davon her, daß die Ausstrahlung in den