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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
81
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Bessel,

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Die ersten drei Jahrzehnte des Jahrhunderts gehörten haupt-sächlich der physischen Astronomie; mit außerordentlich verbessertenoptischen Hilfsmitteln versehen, suchte man diese auch nach Kräftenauszunützen. Die gewaltige Gestalt eines Gauß steht hier, wiein der Mathematik, einigermaßen vereinzelt da; eben deshalb, weildie übrigen Astronomen ihm zwar sür die folgenreiche Unter-stützung, welche seine Bahnberechnnngsmethoden ihnen gewährthatten, aufrichtig dankbar waren, aber doch zumeist nicht darandenken konnten, mit einem solchen Beherrscher des analytischenWerkzeuges in Wettbewerb treten. Ein Mann, der sich alsTheoretiker neben Gauß hätte stellen und doch zugleich auchAnspruch darauf hätte erheben zn können, in der beobachtendenAstronomie unter den Allervordersten zu stehen ein solcherMann hatte längere Zeit gefehlt, aber er war inzwischen heran-gewachsen, und seit 1820 richteten sich aller Augen nach Königs-berg i. Pr., wo Friedrich Wilhelm Bessel eine Schule zubilden im Begriffe stand, wie eine solche auf deutschem Bodeubisher zn den unbekannten Dingen gehört hatte.

Der Lebensgang dieses außerordentlichen Menschen war einungewöhnlicher gewesen. Geboren 1784 zn Minden (Westfalen ),hatte er auf dem Gymnasium keine glänzenden Geschäfte gemacht,und als Haudlungslehrling in einem großen Hause zu Bremen schien ihm jedenfalls nur eine nicht gerade wissenschaftliche Zu-kunft beschieden zn sein. Der Wunsch jedoch, später selbst einKansfarteischiff in ferne Zonen begleiten zu dürfen, veranlaßte ihnzu eifrigen sprachlichen, geographischen und nautischen Privat-studien, und diese letzteren führten ihn zur Sterukuude, die ersehr bald aus den besten vorhandenen Quellen kennen zu lernenbestrebt war. Bald war er soweit gelangt, nach alten Angaben,die v. Zach in seiner viel gelesenenMonatl. Korrespondenz zurBeförderung der Erd- und Himmelsknnde" veröffentlicht hatte, dieBahn eines im Jahre 1607 erschienenen Kometen berechnen zukönnen, nnd da damals, wie wir schon erwähnten, die Hansestadteinen ganz hervorragenden Fachmann, den Doktor Olbers , zuihreu Bewohneru zählte, so hatte der junge Bessel einen Berater,wie er einen besseren nicht wünschen nnd finden konnte. Derselbe

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 6