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V. Die Astronomie bis zum Jcchre 1846.
nahm auch die Rechnungen, welche der eifrige Anfänger ihm über-reichte, mit freudigem Interesse entgegen, sandte die Arbeit zurVeröffentlichung an v. Zach und bewirkte, daß, als der im nahenLilienthal lebende Schroeter einen Gehilsen — Inspektor — fürsein Observatorium brauchte, der junge Bessel diese zur Heran-bildung eines geschickten Beobachters sehr geeignete Stelle erhielt.Vier Jahre hat er hier bei sehr magerem Gehalte ausgehalten..Als aber 1813 die Königsberger Sternwarte erbaut worden war,ernannte die preußische Regierung, die in Olbers und Gaußtreffliche Ratgeber hatte, den erst 27 Jahre zählenden jungenMann zum Professor und Leiter der neuen Anstalt. Ein Zeit-raum von 33 Jahren, ein starkes Menschenalter, wird durchBessels rastlose Wirksamkeit ausgefüllt, und ihm ist es zudanken, daß Deutschland damals in der Astronomie eine führendeStellung errang. Das Jahr 1846, bis zu welchem gegenwärtigesKapitel sich zu erstrecken hat, ist allerdings nicht deshalb als zeit-liche Grenze gewählt worden, weil es Bessels Todesjahr ist, aberes trifft sich eigentümlich, daß die erste Periode in der Entwicklungder Astronomie des 19. Jahrhunderts, wie sie durch sachlicheGründe sich fixieren ließ, gerade mit der Lebenszeit des führendenGeistes sich deckt.
In dieser merkwürdigen Übereinstimmung wird auch unsereBerechtigung dafür liegen, daß wir dieses Mannes wissenschaftlicheLebensarbeit jetzt gleich als ein Ganzes betrachten und in einemZuge die vielen Bereicherungen zur Kenntnis bringen, welche ihmdie Astronomie sachlich und methodisch verdankt. Schon in frühesterZeit hatte sich ihm die Überzeugung ausgedrängt, daß eine mög-lichst genaue Bestimmung der Fixsternörter die allerwichtigste Auf-gabe des Astronomen sei; er stand in dieser Hinsicht völlig aufgleichem Boden mit den berühmten Vorstehern der GreenwicherSternwarte, Flamsteed , Halley, Bradley, Maskelyne, I. Pond(1767—1838), deren amtliche Thätigkeit ja wesentlich durch jeneGrundfordernng bestimmt gewesen war. Hatte man das Roh-material der Beobachtungen, so galt es, dieselben zu „reduzieren",d.h. ebenso von den störenden Einflüssen der Refraktion, Aberrationund Nntation, wie auch von den mancherlei unvermeidlichen In-