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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
91
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Neue Planetoiden.

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das Neue, was beide brachten, bezog sich hauptsächlich auf Mondund Mars , welch letzterem Beer mit besouderer Vorliebe sichwidmete. Damals bildete sich znerst die in der Hauptsache uvchheute bestehende Meinnng ans, daß die Marsoberfläche, freilich beiganz anderer räumlicher Verteilung des festen und flüssigenElementes, einen mit den tellurischen Verhältnissen vergleichbarenWechsel von Festland und Wasser aufweise, uud daß gewisse weißeFlecke in hoher areographischer Breite als Ansammlungen vonSchnee uud Eis, die mit den Jahreszeiten des Mars Größeund Gestalt änderten, gedeutet werden müßten. Es war diesauch die schou 1784 mit merkwürdiger Klarheit ausgesprocheneÜberzeugung W. Herschels geweseu. Die so gut wie absoluteStabilität mancher Oberflächenteile des Mars hatte auch schousrühzeitig zu einer sehr genauen Bestimmung seiner Rotations-dauer verholfeu, welche diejenige der Erde nnr unbeträchtlichübertrifft.

Von Jupiter , Saturu und Uranns hat man in dem unsgegenwärtig beschäftigenden Zeitraume uur wenig Neues erfahren.Dagegen begann sich die Kenntnis von der Erfüllung des Ranmeszwischen Mars und Jupiter ansehnlich zn erweitern; bisher hattennur vier sogenannte Planetoiden diesen Raum belebt; geradeam Ausgange der Periode ward die Hoffnung, daß sich die plane-tarische Frequenz der breiten Zone verstärken werde, neu belebt.Uud uoch weniger, wie früher, war die nene Entdeckung ein Werkdes Zufalles; sie beruhte vielmehr ans planmäßiger Durchforschungdes Himmels an der Hand eines Wegweisers, der älteren Gene-rationen gesehlt hatte. Ans Anregung Bessels war seit 1830 dieBerliner Akademie mit der planmäßigen Bearbeitung von Stern-karten vorgegangen, deren jede eine Zeitstunde, also 15 Bogengradedes Äquators, umsasseu sollte; bis 1859 sind die 24 Karten, nmdie sich n. a. besonders Argelander und K. Bremiker (1804 bis1877) bemühten, in den Besitz der astronomischen Welt gelangt.Der Postmeister K. L. Hencke (17931866) in dem neumärkischenStädtchen Dricsen nahm an dem Unternehmen auch aktiven Auteilund bediente sich der bereits vollendeten Karten zn einer plan-mäßigen Absuchung des gestirnten Himmels. Im Jahre 1845