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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
92
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V. Die Astronomie bis zum Jahre 1846.

fand er ein Mitglied der Planetoidengrnppe auf, dem der NameAstraea beigelegt wurde, und seitdem folgten sich die Entdeckungenso rasch, daß es mir demjenigen, der sich die Asteroidenforschnngals Lebensaufgabe gewählt hat, vergönnt ist, den einzelnen Phasendieser rapiden Entdeckerthätigkeit zu folgen.

Von allen planetarischen Objekten hat in der ersten Hälftedes 19. Jahrhunderts sonder Zweifel der Erdmond den Beobachternam meisten zn thun gegeben. Schroeters zahlreiche, mit hin-gebendem Fleiße ausgeführte Landschaftszeichnuugen litten ja wohldarunter, daß physische Veränderungen an der Oberfläche unseresTrabanten aufgespürt werden sollten, ehe noch eine ganz verlässigetopographische Karte vorlag; gleichwohl hat die neueste Forschungdiese Skizzeu wieder sehr zu würdigen gelernt, weil durch sie zuerstdie viel besprochenen Rillen als ein beachtenswerter Gegenstandhervorgehoben wurden. Schroeters nächster Nachfolger in derSelenographie war der freilich oft belächelte F. Grnithuisen(17741852), der die reichen optischen Hilfsmittel der MünchenerSternwarte in den Dienst der Mondforschung stellte und, wie sichneuerdings herausgestellt hat, wirklich ausgezeichnet beobachtete;über seine Versuche, Bauwerke und andere Artefakte der Mond-bewohner zn erkennen, ist man mit berechtigtem Lächeln znr Tages-ordnung übergegangen, allein es war nnn einmal, wie wir nochin einem anderen Falle sehen werden, das Geschick dieser wirklichoriginellen Persönlichkeit, Wahres und Falsches ganz eigentümlichmit einander zu vermengen. Ungleich höher standen gewiß dieArbeiten des Dresdeners Lohrmann (17961840), der lunareSpezialkarten zu veröffentlichen anfing; der Fortgang geriet baldins Stocken, aber durch die posthume Ausgabe Jul. Schmidtswurden wir in den Stand gesetzt, die hohe Feinheit zn bewundern,mit welcher W. G. Lohrmann, Geodät von Fach, die Kartierungdurchführte. Von Beer nnd Maedler erschien 1834 eine Mg.pr>g,ssleooArapKicg.") welche den 300mal vergrößerten Mond vortrefflichdarstellt nnd, znmal in Verbindung mit eiuer drei Jahre spätergedruckteu Monographie des Mondes, als eine wichtige Etappe derlunaren Forschung zu gelten hat. Aber schon war in Jul. Schmidt(geb. 1825) ein gefährlicher Konkurreut erstanden, der bereits in