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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
93
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Der Enckesche Komet.

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den ersten vierziger Jahren seine ungewöhnliche Arbeitskraft fastausschließlich unserem Satelliten zugewendet hatte; wir werden ihmnachmals noch öfter begegnen.

Die kometarische Astronomie fand während unserer Periodeeinen besonders hingebenden Vertreter in dem Berliner Stern-wartendirektor I. F. Encke (17911865), der sich unter Gaußzu einem der ersten Kenner der Himmelsmechanik ausgebildet hatteund seit 1813 die Berechnung von Kometenbahnen zur eigentlichenLebensbeschüstigung wählen zu wollen schien. In Summa hat ernicht weniger denn 56 derartige Rechnungen znm Abschluß ge-bracht, und eine aus dieser Zahl machte seinen Namen unsterblich.Im Jahre 1818 nämlich hatte einer der glücklichsten Kometenjäger,I. L. Pons in Marseille (17611831), einen Schweifstern ent-deckt, der sich der üblichen Regel, gemäß welcher für jeden Neulingdieser Art eine vorläufige Bahnparabel bestimmt wird, durchausnicht fugen wollte. Encke nahm sich des scheinbar abnormenFalles an und zeigte, daß dieser Komet in einer wenig exzentrischenelliptischen Bahn um die Sonne lünft und nnr etwas über31/2 Jahre zu einem vollständigen Umlaufe braucht. An diesenEncke scheu Kvmeteu, wie er seitdem in der Wissenschaft heißt,knüpfte sich bald eine sehr wichtige Kontroverse, welche selbst bis zumheutigen Tage noch nicht als endgiltig ausgetragen anzusehen ist.Es fand sich nämlich, daß die Umlaufszeit des Gestirnes von einerRevolution zur anderen immer kürzer und kürzer wird, ohne daßin den Störungen der benachbarten Himmelskörper ein Grund fürdiese Beschleunigung nachgewiesen werden könnte. Encke glaubtesich deshalb berechtigt zu dem Schlüsse, daß im Jnterstellarranmeein feines, widerstehendes Medinm verteilt sein müsse, möglicherweiseidentisch mit dem Lichtäther der Physiker, viel zu zart freilich, umden groben Planetenkngeln einen sinnenfällig wahrnehmbarenWiderstand entgegenzusetzen, aber doch kompakt genug, um dieBewegung eines Körpers von überans feinem Gefüge hindernd zubeeinflussen. Die Astronomen nahmen, wie gesagt, eine verschiedeneStellung gegenüber dieser Stellung ein; Olbers war ganz aufEnckes Seite, während Bessel sich mit diesem, ohne es zu wollen,überwarf, weil er betonte, daß für die auch von ihm anerkannte