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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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V. Die Astronomie bis zum Jahre 1846.

wurde der transuranische Planet unfern der berechneten Stellewirklich entdeckt. Derselbe sollte anfänglich?Iai,sts I><zverrier"heißen, indessen hat man sich doch geeinigt, ihm die zu den Namenseiner schon bekannten Genossen besser stimmende BezeichnungNeptun beizulegen nnd ihm als Symbol den Dreizack zuzuerkennen.

Es war vielleicht einiger Zufall mit im Spiele, aber gleich-wohl wird niemand es bestreiten können, daß sich snveräne Be-herrschung des mathematischen Instrumentes und ausgebildeteBeobachtungstechnik in schönster Weise die Hand gereicht haben,um die Bereicherung unseres Planetensystemes durch ein vorher un-bekanntes Mitglied zu ermöglichen. Die Sternkunde ward dadurchauch des nicht zn unterschätzenden Vorteiles teilhaftig, weit überdie eigentlichen Fachkreise hinans vom Pnblikum in ihrer Bedeutungund Leistungsfähigkeit besser begriffen zu werden. Man wirdnicht ohne weiteres behaupten können, daß nicht später einmal diesedenkwürdige Geistesthat ihre Wiederholung erleben kann; denn in derThat haben sich anch bereits in der Neptuubahn Anomalien gezeigt,welche an einen noch unbekannten Gravitationseinfluß denkenlassen. Immerhin ist von Adams und Leverrier der Wegvorgezeichnet worden, durch desseu Betretung auch in künftigenFällen die Erzielnng eines Erfolges gesichert erscheint.

Fast fünfzig Jahre sind es, durch welche wir den Leser indiesem Abschnitte geführt haben; daß nur die besonders in dieAugen fallenden Errungenschaften des Zeitraumes eine Erwähnungfinden konnten, liegt in der Natur der Dinge. Wer jedoch dietiefer liegenden Bedingungen einer so mächtigen, von so großartigenSiegen gekrönten Geistesbewegung erforschen wollte, der müßte vorallem auch die minder imposante, darum aber nicht wenigerbedeutuugsvolle wissenschaftlich-didaktische Kleinarbeit betrachten,welche gerade in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vonallen Seiten geleistet wurde. An den meisten Hochschulen Deutsch-lands nnd anderer Länder machte sich die Astronomie von derfrüher nützlichen und gebotenen, nachgerade aber lästig fallendenPersonalunion los, iu welcher ihre Vertreter mit dem Lehrfacheder Mathematik überhaupt standen, und an vielen Orten wurdengrößere und kleinere Sternwarten eingerichtet, mochten auch bei