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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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108 VI. Erdmessung und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.

so könnten wir ihm ja wohl entgegenhaltet?, daß es einen einheit-lichen Wert dieser Art gar nicht giebt, daß vielmehr jeder Meridianseine eigene Abplattung hat. Würde man aber alle diese Größenvereinigen nnd den Mittelwert aufsuchen, so käme man doch wiederzu einer mit der Besselschen sich wesentlich deckenden Zahl. Enckethat insbesondere auch dar, daß die erwähnten Maße sich auch mitder Gradmessung vereinbaren lassen, welche Maclear im Kaplandevornahm, nnd welche sich in der Hauptsache als Revision der vonLa Caille fast hundert Jahre zuvor durchgeführten darstellte.

Nächst der Größe und Gestalt unseres Planeteu muß manauch deren Dichte und Masse zu erforschen versuchen; zwei Größen,die unter sich in engster Verbindung stehet!, denn wenn man denkubischen Inhalt des ErdkörPerS nach geometrischen Regeln berechnetund damit in die Masse dividiert, so erhält man denjenigen Mittel-wert für die Dichte, der einer vollkommen gleichartigen Stoffver-teilung (Homogeneität) entspräche. Im 18. Jahrhundert hatten,der Einleitung zufolge, Maskelyne, Hutton und Lord Caven-dish, nach zwei verschiedenen Methoden, nnd auch mit verschiedenemErfolge die Bestimmung der Erddichte /X angestrebt. Der von denbeiden Erstgenannten eingeschlagene Weg konnte keine große Zuver-lässigkeit versprechen, doch kam immerhin Oberst H. James (1803bis 1877), indem er sich an das nämliche Prüsnngsobjekt, den BergShehallien, hielt, zu dem recht gut stimmenden Werte 5,32.Die meisten Forscher suchten das Cavendishsche Versahren aus-zubilden, indem sie die Ablesung an der sogenannten Drehwageverfeinerten, und wirklich muß von den BeobachtnngSreihen vonBaily, F. Reich (17991882) und Airy ausgesagt werden, daßsie deu besten Leistungen der neueren Präzisionsphysik an die Seitezu stellen sind. Airy änderte das bisherige Verfahren noch inder Weise ab, daß er die Torsivuswage unter der Erde, d. h. inBergwerksschachten, aushiug uud damit also eiue äußere Kugelschalevon der Anziehung ausschaltete. Es zeigte sich jedoch, daß imletzteren Falle die störendeu Einflüsse zn bedeutend sind, denn trotzaller Vorsichtsmaßregeln ließ das Resultat au Genauigkeit zuwünschen übrig. Reichs Zahl,/X. 5,66, hat lange Zeit für denwahrscheinlichsten Wert der Erddichte gegolten. Ein ganz neues