Gauß' Theorie dcS Erdmagnetismus.
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üblichen, ganz unbestimmten und willkürlichen Jntensitätseinheitund zeigte, daß es möglich sei, sämtliche Äußerungen der in Redestehenden Kraft auf dasselbe absolute Maßsystem znrückzuführeu,welches iu der Mechauik Geltung hat und nichts anderes alsCentimeter, Gramm und Sekunde zur Anwendung bringt.
Für die Theorie des Erdmagnetismus hatte es vor Gaußanscheinend nur einen einzigen Weg gegeben, uud dieseu warendenn anch übereinstimmend alle die Männer gegangen, welche sichan die schwierige Aufgabe herangewagt hatten. L. Enler, Tob.Mayer, Mollweide, I. Biot u. a. hatten übereinstimmend an-genommen, daß sich im Inneren der Erdkugel ein Magnetstab be-finde, dessen Ort und Dimensionen zunächst noch unbekannt seien.Man müsse diese Größen vorerst hypothetisch annehmen und siealsdaun so bestimmen, daß, wenn man daraus für einen Erdvrtvon gegebenen geographischen Koordinaten die drei erdmagnctischenElemente berechne, diese mit den Beobachtungsdatcn möglichstgenan stimmten. Im Jahre 1819 veröffentlichte der MathematikerC. Hansteen (1784—1873) in Christiania seine „Untersuchungenüber den Magnetismus der Erde", worin er das bezeichnete Problemso weit führt, als dies überhaupt geschehen kaun. Hansteen hatsich große Verdienste um diesen Teil der Erdphysik erworben, zudessen Förderung er große und mühsame Reisen im nördlichenAsien , die zur Auffindung der magnetischen Erdpole dienen sollten,nicht scheute, aber seine Mühe muß leider zum großen Teile alseine verlorene bezeichnet werden. Er ging von der Annahme aus,daß jede Hemisphäre zwei solche Konzentrationspunkte der magne-tischen Kraft besitzen müsse, allein die Thatsachen haben dieseHypothese nicht bestätigt. Dem gegenüber sagte sich Gauß vonjedweder unbewiesenen nnd unbeweisbaren Voraussetzung los.Wir spracheu in dem der Mathematik eingeräumten Abschnitte vonjener merkwürdigen Funktion, welche sämtliche Zweige der Natur-lchre beherrscht. Gauß giug vou der nicht an sich notwendigen,wohl aber durch die darauf gebauten Schlnßfolgerungeu bewahr-heiteten Annahme auS, daß eS ciu magnetisches Potentialgäbe, dessen Wirklingen sich auf reiu mathematische Weise, ohnejede Rücksicht auf seine Entstehung, darstellen lassen müßten, weuu
Günther, Anorganische Natnrwissenschciftcn. 8