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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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114 VI. Erdmessung und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.

man nur eine hinlänglich große Zahl von empirischen Daten besitze.Das Potential wurde in Reihen entwickelt, und wenn man diesedann irgendwo abbrach, erhielt man endliche, mit gewissen kon-stanten Gliedern behaftete Ausdrücke, welche die radiale, die nachNorden und die nach Osten gerichtete Komponente der magnetischenErdkrast angenähert darstellten; die Konstanten wurden dem vor-liegenden Beobachtungsmateriale entnommen. Allerdings sind die dreiGrößen, welche Gauß berechnete, nicht die drei üblichen Elemente,aber es wurden auch sofort die Formeln hergeleitet, um Deklination,Neigung uud Stärke auf die erwähnten drei Seitenkräfte zurück-zuführen. Der größte Vorteil des Gaußschen Rechnungsverfahrensberuht, von anderem abgesehen, darin, daß man dnrch Hinzu-nehmen einer immer größereu Zahl von Neihengliedern die Genauig-keit nach Willkür zu steigern vermag. Zu den bisher schon vor-handenen Karten der Jsogonen, Jsoklinen nnd Jsodynamentraten nun auch solche der magnetischen Niveaulinien, derKurven gleichen geomagnetischen Potentiales hinzu; diese Linienhaben die Eigenschaft, daß für einen gegebenen Ort die Deklinations-nadel senkrecht aus ihnen steht.

Aus dem neuen Kalkül ergab sich, daß jeder Halbkugel nurein einziger Magnetpol zukomme, daran erkennbar, daß beim Heran-treten an ihn die Neigungsnadel sich immer steiler gegen dieHorizontalebene einstellt und zuletzt mit dieser einen rechten Winkelbildet. Gauß hatte die ungefähre Lage des Nordpoles in denArchipelen derNordwestlichen Durchfahrt" bestimmt, und am1. Juni 1841 sand der kühne Seefahrer John Roß (1777 bis1856) den gesuchten Pnnkt glücklich auf. Er gehört der HalbinselBoothia Felix an (70°5'l7"nördl. Breite; 96°46'45"westl.Lüngevon Greenwich ). Dadurch war auch dem Fernerstehenden ein Ein-blick in die Tragweite der neuen Methode eröffnet, denn daß diebis dahin ängstlich festgehaltene Magnetstabhypvthese in der Praxiszumeist unzulängliche Resultate gezeitigt hatte, war nur allzuwohl bekannt.

Neben Ganß hat sich in den Jahrbüchern dieser Disziplinin der fraglichen Periode besonders verewigt ein Schotte, der aberdurch die Verhältnisse zum Deutscheu gewordeu war. Johann