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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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DnS Eis des Meeres.

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von jeher bei Gelegenheit angestellt worden, aber erst Humboldt,der bei seiner Überfahrt nach Amerika (1799) selbst das Thermometereifrig handhabte, regte eine lebhaftere und systematischere Thätig-keit ans diesem Gebiete an. Einen geeigneten Wärmemesser erfandI. Six (gest. 1793), freilich anch noch nicht allen Wünschen ge-nügend. Man wußte, daß eS in größeren Abständen von derOberfläche immer kälter werde, uud aus dieser Thatsache glaubteF. Peron (17751810) den ungeheuerlichen Schluß ziehen zudürfen, daß iu sehr hohen Breiten der Meeresgrund mit einerniemals schmelzenden Eisrinde überzogen sei. Hiegegen ist besondersbestimmt L. v. Buch aufgetreten. Noch herrschte in nautischenKreisen vielsach die iu entgegengesetztem Sinne irrige Meinung,salziges Wasser könne nicht gefrieren. Die Versuche von Monge,Chaptal , G. F. Parrot (17671852), F. Marcet und Anderenstellten das Gegenteil fest, und die Berichte der Polarfahrer, zudenen solche grönländischer Glaubensboten kamen, beseitigten jedenZweifel darüber, daß in den nördlichen Meeren Eis von zweierleiBeschaffenheit schwimme, solches, welches durch unmittelbares Ge-frieren gebildet sei (Eisfelder), und solches, welches sich von weitvorgeschobeueu Gletschern abgelöst habe (Eisberge). Zu Beob-achtungen über Wasserfärbung bediente sich Hnmboldt desvon Saussure zur Bestimmung der Himmelsbläue vorgeschlagenenKyanometers, und Scoresby thut fleißig der Tinten Erwähnung,in denen er die See bei verschiedenen Gelegenheiten erstrahlen sah.Durchsichtigkeitsbestimmnngen vermittelst der Ver-senkungsscheibe scheint nach Scoresby zuerst das SchiffCoquille" vorgenommen zu haben, uud es ist deshalb nicht statt-haft, dieses Verfahren mit dem Namen Secchis zu belegen, derallerdings vielleicht von seinen Vorläufern keine Kunde hatte.Das Meeresleuchten hatte Humboldts Scharfblick als einewesentlich aus dem Reizungszustande organischer Wesen abzuleitendeLichterscheinung erklärt; das Mikroskop lieferte dafür in den HändenC. G. Ehrenbergs den entscheidenden Nachweis, denn diesemgroßen Naturforscher gelang es, Lichtinfusorien zu isolieren undzu zeigen, daß solche Tierchen das Hanptkontingent bei der Er-zeugung eiues phosphoreszierenden Glanzes des Wassers stellen.