Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120 VI. Erdiucssung und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.

Auch Dichte und Salzgehalt waren schon in vielen Fällenaräometrisch bestimmt worden. Man hatte den alten Wasserschöpf-apparat von Hales mannigfach verbessert, und zur Untersuchungder aufgeholteu Proben dienten ebenfalls verschiedene Vorrichtungen,deren Typus das 1787 von Nicholson erfundene Aräometerabgab. Auch die chemische Zusammensetzung des Meerwasserswar Gegenstand der Forschung geworden; Balard schied darauseinen neuen Grundstoff, das Brom, ab. Auch die Frage, woherdcuu die Salzigkeit des Meeres komme, ist schon damals ventiliertworden, und Parrot gab darauf die richtige Antwort, daß nämlichdie Salinität den Normalzustand darstelle, und daß mithin nichtdie Ozeanographie, sondern die Geologie zur Entscheidung solcherBedenken zuständig sei.

Die Wellenlehre hatte aus deu Laboratoriumsversnchen,denen der übernächste Abschnitt gerecht werden soll, die namhaftestenVorteile gezogen, was auch der Betrachtung der Meereswellen zustatten kam. Doch fehlten noch geuaue Messungen der Höhe nndFortpflanzungsgeschwindigkeit, und nur wenige Seefahrer, an ihrerSpitze wiederum Scoresby, bemühten sich um die Feststellungsolcher Größen. Franklins Bericht von der Wellenbesänftigungdurch Öl hatte eiue lebhafte Diskussion im Gefolge, als derenEndergebnis die Auffassung bezeichnet werden kaun, daß durch dasentstehende zähe Llhäutchen die direkte Berührung des Wassers mitder bewegten Luft verhindert werde. Die Meere sftrö mnngen warendas besondere Arbeitsgebiet des trefflichen englischen Jngenieur-geographen I. Rennell (17421830); wenn auch die nach ihmRennellstrom" benannte Abzweigung des Golfstromes nach demGolfe vou Biscaya thatsächlich nicht existiert, so kann er doch alsder Begründer einer tieferen wissenschaftlichen Einsicht in die großenZirkulationssysteme des Atlantischen nnd auch soweit von solchengesprochen werden kann des Indischen Ozeanes gelten. Eine be-friedigende Erklärung der stationären Meeresbewegung wußte mannoch nicht zu geben, obwohl man Temperatur- und Salinitäts-differenzen gelegentlich als Ursachen nannte. Rennell hatte, imAnschluß an Franklin und Kant, ganz wohl den Zusammenhanggewisser Meeres- uud Luftströmungen erfaßt, allein derselbe sollte