Neuere Gezeitcntheorieu,
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nur für sogenannte Driftströmungen Bezug haben, und so gabman freiwillig einstweilen das Mittel aus der Hand, welches denso schwierig erscheinenden Sachverhalt in überraschend einfacherWeise klären konnte.
Ungleich eingehender wurde die Theorie der Gezeiten be-handelt. Was die Anwendung feiner Analyse zu leisten vermag,zeigte Laplaces „Nsoanicius eslssts", und die sogenannte dyna-mische Theorie von Ebbe und Flut, welche die neueste Zeitausgebildet hat, lehnt sich ganz an jenes fundamentale Werk an.Daß angesichts der unendlichen Mannigfaltigkeit der Küstenlinienund Meerestiefen trotzdem die VorauSberechnnng der Zeiten, indenen ein Maximum der An- und Abschwelluug eintritt, nichtimmer mit der Erfahrung stimmt, leuchtet an sich ein. Znmalin England sah man sich unter diesen Umständen zn Berbesseruugs-versucheu veranlaßt, an denen sich unter anderen Challis, Lubbock und mit besonderem Eifer W. Whewell (1794—1806), der Ver-fasser der in ihrer Art ausgezeichneten „Histor^ Uis IncluokivsSeienoes" (London 1337—1847), beteiligten. Whewell ging vonder Ansicht aus, daß die im Lause von etwas über 24 Stuudenzweimal um die Erde herumlaufende Gezeitenwellc im GroßenOzean entstehe, und daß man deren Ausbreitung durch Eintragungder sogenannten Kotidallinien in einerKarte deutlich machen könne.Die Grundlage dieser Abänderung der Newton - LaplaccschenLehre erwies sich nicht als haltbar, aber das Prinzip, die dnrcheinen undulatorischen Impuls gleichzeitig betroffenen Punkte derWasserfläche durch einen Kurvenzng zu verbinden, hat auch davonabgesehen seine Brauchbarkeit bewährt.
Dem Salzwasser lassen wir in unserer Übersicht gleich dasSüßwasser folgen. Man begann auch die Binnenseen als eingeeignetes Forsch nngsobjekt zn erkennen, und namentlich der Genser-See, der seit mehr denn hundert Jahren eine Elite von geistvollenFreunden der Natur an seinen Ufern vereinigt gesehen hatte,spielte in der Geophysik eine wichtige Rolle. Die sogenanntenSeiches, Periodische Hebungen nnd Senkungen des Seespiegels,wurden anhaltend beobachtet, und des Botanikers J.P.E.Vancher(1763—1841) gründliche Studie über diese merkwürdigen stehenden