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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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124 VI- Erdmessnng und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.

auf; Wäre ein Gedanke, den H. W. Brandes (1777 1834) imJahre 1820 aussprach, in seinem vollen Umfange richtig verstandenworden, so wäre die Meteorologie vor manchem Irrwege bewahrtgeblieben, den sie in den nächsten Jahrzehnten eingeschlagen hat.Brandes verband alle Orte eines bestimmten Bezirkes, für welchegleichzeitig das Barometer auch gleich hoch stand, durch Kurven(Isobaren) und untersuchte dauu, welche Windrichtungen inner-halb dieses Bereiches vermerkt wvrden waren. Er faßte den ausseinen Diagrammen gewvnnenen Gesamtcindruck zusammen in derThese: Der Wind weht von einem Orte sehr hohen Luft-druckes (barom. Maximum) zu dem nächst benachbartenOrte besonders niedrigen Luftdruckes (barom. Minimum).Hätte Braudes auch die Mitwirkung der Erdumdrehung gehörigberücksichtigt, so wäre er der Entdecker des Gesetzes geworden, vondem die ganze meteorologische Dhuamik der Neuzeit abhängt. Soaber trat zunächst ciue ganz andere Richtung in den Vordergrund,und diejenige Art des Studiums der Luftbewegung, welche wirk-liche Ordnung in die anscheinende Anarchie zn bringen gestattet,wurde wenigstens in Enrvpa ganz beiseite geschoben. Die Ameri-kaner W. C. Redfield (1789 1857), I. P. Espy (1786 bis1860) und Ferrel, dessen wir bereits gedachten, sind die eigent-liche!? Vorkämpfer jenes Umschwnnges, der gegen das Jahr 1860hin die meteorologische Wissenschaft von Grund aus umgestaltete;sie richteten das Hauptaugenmerk auf die gewaltigen Wirbelstürmeder westindischen Meere und setzten für sie die Herrschaft wir-belnder Bewegungen außer Zweifel. Ihnen trat als Gefährtezur Seite W. Reid (17911858), als Gouverneur der Bermudasuud der Antillen-Insel Barbados wohl vertraut mit jener ver-heerenden Naturerscheinung, deren Wesen er in einem 1838 aus-gegebenen mustergiltigen Werke schilderte; dasselbe soll sogar insChinesische übertragen worden sein. Alle diese Autoren, unterstütztvon dem als Kenner nautischer Praxis geschätzten Piddington,entnahmeir deu theoretischen Feststellungen auch brauchbareManövrierregeln, die den Kapitän befähigen sollen, sein Schiff,sobald durch jähes Fallen des Barometers das Herannahen einesDrehsturmes als gesichert erkannt ist, möglichst aus der gefähr-