126 VI. Erdmessnng und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.
das Dovesche Winddrehungsgesetz als eine der obersten Er-rungenschaften der Wissenschaft bezeichnet, während es doch inWahrheit nur ein untergeordneter Spezialfall eiues ganz andersbeschaffenen Gesetzes ist. Weil die Bewegung der den Witterungs-zustand am meisten regelnden barischen Depressionen für Nord-eurvpa sich so gestaltet, nahm Dove, der ja natürlich auf einewesentlich statistische Beweismethode angewiesen war, allgemein an,daß auf der Nordhalbkugel der Wind gewöhnlich im Sinne desUhrzeigers, auf der Südhalbkugel gewöhnlich gegen den Drehsinndes Uhrzeigers umspringe, und in dieser Allgemeinheit gilt dieRegel keineswegs.
Um so glücklicher war erwähntermaßen Dove auf dem klima-tologischen Arbeitsfelde, welches er 1829 mit einer Abhandlungüber die Schwanknugen des atmosphärischen Wassergehaltes betrat.Vor ihm war namentlich Humboldt, den wir ja schon aus demvierten Abschnitte in dieser Eigenschaft kennen, der Bahnbrechergewesen; im gleichen Jahre 1829 trat L. v. Buch (1774—1853),als Meteorologe ebenso glücklich wie als Geologe, mit seinem Vor-schlage hervor, zwischen den heißen und gemäßigten Erdgürtel inner-halb der Festländer eine Übergangsregion einzuschieben, welche erin ihren Merkmalen kennzeichnete. Wohl nicht allzu Viele werdenwissen, daß der geschickt gewählte Ausdrnck subtropische Zonedas geistige Eigentum v. Buchs ist. Letzterer vervollkommnete auchdie Methodik dadurch, daß er die Abhängigkeit des momentaneuLuftdruckes von der augenblicklichen Windrichtung durch einebarometrische Windrose darstellte; dieses graphische Hilfsmittelhat dann auch sür alle übrigen meteorologischen Faktoren seineBrauchbarkeit dargethnn. Weniger Beifall hat in Deutschland ,und zwar gewiß nicht ohne Grund, das anderwärts hervortretendeBestreben gefunden, die Temperaturverteilung, die ja nur imsolareu Klima ausschließlich von der Breite abhängig,im physischen Klima dagegen durch eine Vielzahl primärerund sekundärer Einwirkuugen bestimmt ist, durch empirischeFormeln wiederzugeben. Brewster, G. G. Hällström (1775bis 1844), H. Atkinson (1786 — 1831) uud auderc haben sichhierin versucht, uud auch den Unregelmäßigkeiten der Luftdruck-