Mohs und die naturhistorische Methode.
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empirisch erschlossenen Thatsachen mußte man sich auch mit derzuerst von Kupffer aufgestellten Behauptung befreunden, daßnicht bloß rechte, sondern anch schiese Achsenwinkel mög-lich seien.
Die Mineralogie war durch die Berliner Schule zu eiuemgeometrischen Spezialsache gemacht worden, und ihre natnrhistorischeSeite wurde hier weniger gepflegt. Eine mehr zusammenfassendeThätigkeit war es, die von Fr. Mohs (1773—1839) ausgeübtwurde, eiuem geborenen Hannoveraner, der jedoch, von sechsjährigerWirksamkeit an der Freiberger Akademie abgesehen, hauptsächlichdem österreichischen Kaiserstaate diente und sowohl in Graz wiein Wien , wo er zuletzt das Bergwesen leitete, reiche Anregunghinterließ. Als jnugem Maune hatte ihm ein reicher Wiener Liebhaber, I. F. von der Null, die Ordnung und Beschreibungseines umfänglichen Mineralienkabinettes anvertraut, und bei diesemGeschäfte reifte der Gedanke bei ihm heran, eine bloß auf äußereKennzeichen sich stützende Klassifikation des Mineralreiches zuschaffen, von welcher er denn auch 1804 eine erste litterarischeProbe ablegte. In vielen Dingen nahm er sich die Erfahrungenzum Muster, welche die Geschichte der Botanik im vergangenenJahrhundert an die Hand gegeben hatte. Linne schuf das künst-liche, B. Jussieu das sogenannte natürliche Pflanzensystem,und beide Systeme hatten ihre Berechtigung; das zweite wegenseiner engen Beziehung zu den wirklichen Verhältnissen, das erste,weil man an ihm sich leicht auskeunen, an gewissen unveränderlichenKennzeichen ein gegebenes pflanzliches Individuum leicht bestimmenkonnte. Beide Modalitüten erachtete Mohs auch als notwendigfür das Reich der anorganischen Naturkörper. Im Jahre 1820trat er mit einer die künstliche Einteilung in knapp programma-tischer Charakteristik schildernden Schrift („Die Charaktere derKlassen, Ordnungen, Geschlechter und Arten") an die Öffentlichkeit,und vielfach, vorab in England , nahm man dieselbe begeistert auf,während die Anhänger des Altmeisters Weiß in kühler Reserveverharrten. Noch 1873 ersieht sich F. A. Quenstedt (1809 bis1889) iu seinem historischen Essay über die Krystallographie jedeGelegenheit, um Mohs als unselbständigen Kopisten Weißscher