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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Hessels Darstellimg der Krystallgestalten.

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Mineralogie und Technologie in Göttingen geworden von seinemneuen Wohnsitze aus um die geognostische Erforschung Nord-deutschlands verdient machte; endlich K. F. Naumaun (1797 bis1873), dem die spezialistische Durcharbeitung des hexagonalenSystemes gleich einen geachteten Platz unter den Fachmännernverschaffte. SeineElemente der Mineralogie" (Leipzig 1846)haben vielleicht für die Ausbreitung tüchtiger Kenntnisse, wenigstensin Deutschland , am kräftigsten gewirkt, weil ihnen das Glück zuteil wurde, daß die späteren, sehr rasch einander folgenden Auf-lagen ein Gelehrter besorgte, der in der Gesteinskunde für diezweite Hälfte des Jahrhunderts uugefähr dasselbe bedeutete, wieNaumaun selbst für die erste Hälfte.

Eiue Sonderstellung nimmt ein I. F. C. Hessel aus Nürn-berg (17961872), seit 1821 Professor der Miueralogie und dermontanistischen Fächer an der Universität Marburg . Die Zeit-genossen haben die Eigenart des Mannes und seiner Arbeiten nichtvoll erkannt, und es blieb erst in unseren Tageu L. Sohnckevorbehalten, darzuthuu, daß und wie gewisse ganz moderne An-schauungen in dem ArtikelKrystall" zu finden sind, den Hesselsür die zweite Auflage des Gehlerschen Physikalischen Lexikonsgeliefert hat. Die Darstellungsweise ist keine gefällige, uud daman in einem Sammelwerke wohl anch weniger originelle Ge-danken suchte, so blieb die Abhandlung, obwohl sie nachher auchseparat (Leipzig 1830) ausgegeben wurde, auffalleud unbeachtet.Nach So hucke giug Hessel von der allem richtigen Fragestellungaus,wieviel und in welcher Anordnung gelegene, gleichwertigeTeile ein Raumding darbieten kann"; d. h. er suchte alle über-haupt möglichen Arteu der räumlichen Symmetrie auf. So fauder 27 Klassen von Ki.-ystallgestalten mit Hauptachsen und fünfohne solche, in Summe mithiu deren 32. Bravais' elegantereUntersuchung, von der gleich zu reden sein wird, gelangte nichtsofort zu eiuem so abgeschlossenen Resultate, wie es dasjenigeHessels war, über den anch die späteren Bearbeitungen desProblemes sachlich nicht hinausgehen konnten.

Wenn wir uns den Standpunkt ansehen, ans welchem in denzwauziger und dreißiger Jahren die Mehrzahl der Mineralogen