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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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160
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16g VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.

Wellenrinne untrennbar verknüpft sind. Die drei Weber ge-hören zu den bedeutendsten Erscheinungen im wissenschaftlichenLeben des Jahrhunderts, und zwar tritt in diesem Dreigestirnewieder am meisten hervor Wilhelm Eduard (18041891), einerderGöttinger Sieben", den der Machtspruch eines Despoten vonseiner mit so viel Erfolg verwalteten Professur in Göttingen ent-fernte, der aber später mit deu höchsten Ehren dorthin zurück-gerufen wurde. Mit seinem jüngsten Bruder Eduard Friedrich(18061871) verfaßte er ein von den Physiologen hoch geschätztesWerkMechanik der menschlichen Gehwerkzeuge" (Göttingen 1836);mit dem älteren Bruder Ernst Heinrich (17951878) verbander sich zu jener glänzenden Versuchsreihe, welcheDie Wellenlehreauf Experimente gegründet" (Leipzig 1825) dem Publikum vorlegte.Die erwähnte Rinne war ein länglicher Glaskasten mit rechteckigenWänden, in den Wasser mit eingestreuten leichten Körperchen ge-geben war, deren Bewegung den Verlauf der Welle zu kontrollierengestattete. Nm letzteren möglichst regelmäßig zu gestalten, sog derExperimentator am einen Ende mittelst eines Röhrchens eine kleineWassermenge in die Höhe und ließ diese sodann fallen; dieser ein-malige Stoß brachte dann eine vibratorische Bewegung der ganzenMasse zuwege. Die uns geläufigen Begriffe Wellenberg, Wellen-thal, Wellenhöhe, Wellenlänge (hier allerdingsWellenbreite" ge-nannt) stammen ans dem Werke der beiden Weber. Es wurdemit Sicherheit ermittelt, daß das einzelne Wasserteilchen, währendder einmal gegebene Impuls sich durch die Flüssigkeit fortpflanzt,in vertikal gelegenen, stark exzentrischen Ellipsen umlaufen, diegegen oben zu einem Kreise ähnlicher werden, in größerer Tiefeaber zu horizontalen Linien degenerieren. Die Interferenzen,welche statthaben, wenn zwei verschiedene Wellenzüge sich durch-kreuzen, wurden genau studiert, und als das Nächstliegende Mittelzur Erzeugung stehender Wellen derSeiches " in den Binnen-seen wurde angegeben, einen fortschreitenden Zug mit dem, derdurch Zurückwerfung des erstgenannten von einer Wand entsteht,zum Interferieren zu bringen; dann entstehen, je nach den Um-ständen, mehrknotige Schwingungen, deren Bäuche und Knotendem Auge erkennbar gemacht werden können. Man hat es zwar