Die Anfänge der Wellenlehre.
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matisch und experimentell Aufklärung über das Wesen der Wellen-bewegung zn schaffen.
Nach der ersteren Seite hin sind die Untersuchungen vonH. Flaugergues (1755—1835) und F. I. v. Gerstner (1756bis 1832) hervorzuheben, deren Endzweck dahin zu charakterisierenist, daß die geometrische Gestalt des Wellenprofiles er-mittelt werden sollte. Beide Gelehrten kommen darin überein,daß die Wellenlinie zu den sogenannten zyklischen Kurven oderTrochoiden gehört, und dieses Ergebnis hat auch deu Beifallder neueren Wissenschaft gefunden. Freilich tritt es nicht immerrein in die Erscheinung, weil gar zu leicht sekundäre Einflüssetrübend und störend eingreifen; weitaus die beste Gelegenheit, echttrochoidische Wellen zu sehen, bietet die Dünung, jene ruhige,regelmäßige Bewegung des Wassers, welche in den großen Meerendurch einen heftigen Wind in einer vom Beobachtungsorte weitentfernten Gegend ausgelöst ward. Einen Ausdruck für die Höhenvon Wellen leitete 1815 Poisson sowohl für enge Becken, wieauch für eine unendlich ausgedehnte Wassermasse — einen Ozean —ab, und Cauchy that 1827 ein gleiches für die Fortpflanzungs-geschwindigkeit des Wellenscheitels. Selbstverständlich bedurftendiese analytisch gefundeneu, also unter gewissen erst noch auf ihreBerechtigung zu prüfenden Voraussetzungen giltigen Sätze der Nach-prüfung durch den Versuch.
In diesem Sinne war bereits I. Biot thätig gewesen, nndihm folgte der Piemontese G. Bidone (1781 — 1839), der dieSache im größten Stile betrieb. Sein Verfahren der Wellen-erzeugung bestand darin, daß er zylindrische und konische Körperlangsam ins Wasser tauchte, dessen vollständige Beruhigung ab-wartete und nunmehr das eingesenkte Objekt mit jähem Nuckeherauszog. Die Übereinstimmung mit den Angaben Poissonsstellte sich nicht als eine so zufriedenstellende heraus, wie vielleichtdiejenige» gehofft hatten, welche sich von dem hypothetischenCharakter der Rechnung keine genügende Rechenschaft gaben. EineVervollkommnung, welche alles bisherige weit hinter sich ließ,ward dem experimentellen Apparate durch die Gebrüder Weberzu teil, deren Namen mit ihrer ebenso einfachen wie zweckmäßigen