Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

^58 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energiepnnzipes.

berücksichtigendes Zusatzglied beigefügt worden. Jetzt aber stelltenC. F. Despretz (17971863), Arago und P. L. Dnlong (1785bis 1838), Natterer und vor allem H. V. Regnault (181V bis1878), der geniale Herrscher im Reiche der Dämpfe, umsichtigeBeobachtungen über die Giltigkeit des Mariotteschen Gesetzes anund fanden, wiewohl nicht in allen Punkten übereinstimmend, daßbis zu sehr hohem Drucke dasselbe wirklich zu recht besteht uuderst dann ins Schwanken gerät, wenn dem der Pression aus-gesetzten Gase allmählich sein Charakter verloren geht, wenn esjene absolute Bewegungsfreiheit der kleinsten Teile einzubüßen an-fängt, welche gerade das Wesen des Gases bestimmt.

Wir haben bisher von den in moleknlartheoretischer Beziehungbeinahe entscheidenden Wärmewirknngen nur ganz gelegentlich ge-sprochen, weil es unsere Absicht ist, in dieser geschichtlichen Über-sicht denselben Gang einzuhalten, den die Systematik der Wissen-schaft bis in die neueste Zeit herein für den allein richtigen undnatürlichen gehalten hat. So versteht es sich denn von selbst, daßuns sowohl in der Akustik, wie auch in den als Physik des Äthersbezeichneten Disziplinen manche Fragen wiederum begegueu werden,welche sich auf Gase und Dämpfe, und damit auf die Atomistik,beziehen. Fürs erste dagegen ist es unsere Pflicht, von den Fort-schritten der Wellenlehre Akt zu nehmen, welche ja damals schonals für die Lehre vom Schalle wie für die Lehre vom Lichte grund-legend anerkannt war. Sie hatte seit deu drei Jahrhunderten,welche sie von Lionardo da Vincis erstmalig durchgeführterScheidung der trauslatorischen und undnlatorischen Bewegungtreuute, keine besonders rasche Entwicklung erfahren. Galilei hatte die durch Interferenz sich bildenden stehenden Wellenrichtig definiert; B. Franklin hatte zuerst den Prozeß der Ent-stehung von Wasserwellen unter der Einwirkung des Windes ineiner Weise anschaulich zu machen gesucht, der man auch heutenoch nicht alle Berechtigung abstreiten kann; die Gezeitenbewegunggalt seit Laplace als das großartigste unter den bekannten Bei-spielen für diese Bewegnngsform; endlich erheischte die Vibrations-theorie des Lichtes seit kurzem eine erhöhte Beachtung. So kam es,daß im neuen Jahrhundert die Bestrebungen sich mehrten, mathe-