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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Verflüssigung der Gase.

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daß der Aggregatzustand nichts von Natur aus Gegebenes,sondern etwas von den herrschenden Verhältnissen desDruckes und der Temperatur Abhängiges ist. Auch in derFolgezeit ist Faraday auf dieses recht eigentlich molekular-physikalische Problem zurückgekommen, und eine größere Abhand-lung des Jahres 1845 handelt ganz allgemein von Verflüssigunguud Verfestigung solcher Substanzen, welche für gewöhnlich nurals Gase bekannt sind. Außer Davy, der sich von seinem früherenSchüler zu analogen Versuchen über die Flüssigmachung der Salz-säure auregeu ließ, traten besonders der sonst wenig bekannteThilorier und I.A. Natterer (geb. 1821) in die von Faraday eröffnete Bahu ein. Ersterer lieferte zuerst flüssige und festeKohlensäure in größerer Menge; letzterer ebenso flüssiges nndfestes Stickstoffoxydul. Auch ist der Österreicher Nattererder Erfinder der jetzt im allgemeinen Gebrauche stehenden schmiede-eisernen Flaschen, in welchen man solche expansible Stoffe gefahrlosbergen kann gewiß eine wichtige Neuernng, denn schon mancherhatte durch Springen seines Experimentierballons Wunden erhalten.Bei mancheu gasförmigen Körpern, unter denen das durch extremespezifische Leichtigkeit hervorragende Wasserstoffgas in erster Liniestand, gelang freilich auch bei ungeheuer hohem Drucke die Liaue-faktion nicht, aber Faradays Scharfblick ließ ihn anch gleich dieUrsache des Mißlingens herausfinden. Es sei eben, meinte er,die Temperatur noch immer eine zu hohe gewesen, und selbst dieam permaneutesteu erscheinenden Gase würden bezwungen werden,wenn die Erzeugung der entsprechenden Kältegrade möglich sei.Es ist bekannt, daß die Prophezeiung des großen Physikers glänzendin Erfüllung gegangen ist.

Für die Gasphysik waren diese allgemeineren Studien dochauch in engerem Sinne sehr bedeutsam, weil sie dazu antrieben,das alte Gesetz über die Beziehung zwischen Druck uud Temperatur,welches dereiust Boyle und Mariotte, unabhängig voneinander,aufgestellt hatten, mannigfaltigen Nachprüfungen zn unterziehen.Seine Originalfassung war: Das Produkt aus Druck undVolumen ist eine konstante Größe. Von Gay-Lussac war,worauf uus die Wärmelehre zurückführen wird, ein die Temperatur