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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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156 VIII- Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung deS Energicprinzipes.

Bände ist (Nürnberg 134») wirklich erschienen; die Ausarbeitungder folgenden blieb in den Anfängen stecken, nnd unter den nach-gelassenen Papieren hat sich nichts vorgefunden, was einen Fremdenermutigen konnte, die Hand an die unvollendete Arbeit zu legen.

Während auf deutschem Boden die Aufführung eines gewaltigenFormelbans den Untergrund für ein dereinstiges Lehrgebäude derMolekularphysik legen sollte, hatte in dem praktischen England be-reits der größte unter den experimentierenden Physikernaus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Grund-stein dazu gelegt. Michael Faraday (1791 1867) hatte alsBuchbindcrlehrling die Vergünstignng erhalten, mehreren Zyklenpopulärwissenschaftlicher Vorträge anwohnen zu dürfen, darunteranch einem solchen des berühmten Chemikers Davy, mit dem erso in persönliche Berührung kam. Der erfahrene Mann erkanntebald, was in dem Jüngling steckte, uud verschaffte demselben denPosten eines Assistenten am Laboratorium der Royal Institution,als welcher er schon 1816 seine ersten Vorlesungen hielt. DerGegenstand derselben war ein sehr abstrakter (Darstellung derEigenschaften, die der Materie inne wohnen, der Formen derMaterie und der elementaren Stoffe"), aber Faraday hat es,wie sein Biograph Tyndall ihm mit Fng nachrühmt, vonjeher außerordentlich gut verstanden, Induktion und Deduktionharmonisch miteinander zn verbinden, und so sah er auch gleichanfangs eiu, daß nur der Versuch die Mittel zur Entschleieruugder über der Textur der Körper schwebenden Rätsel liefere. Schon1823 war er mit dem Grundversuche im Reinen. Ein wohl-meinender Freund, der zufällig in Farad ays Laboratorium kam,sah, wie dieser, mit Chlor manipulierend, in einer Röhre einengrünlichem Körper eingeschlossen hatte, und gab ihn den gnten Rat,bei der Reinigung der Gase vorsichtiger zu verfahren. Kaumheimgekehrt, erhielt er von dem, den er hatte belehren wollen, einkurzes Billet folgenden Inhalts:Geehrter Herr! Was Sie inder bewußten Röhre erblickt und für ein unreines Ölprüparat ge-halten haben, war flüssiges Chlor. Faraday ." Durch die Chlor-verflüssiguug war eine tiefe Bresche in das Dogma von der Per-manenz der Gase gelegt und am Einzelfalle dargethan worden,