Die Begründung der Molekularphysik.
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sionskräfte eine Rolle spielten oder doch zn spielen schienen.Doch sind die Physiker wenig hierauf eingegangeil, wohl gewarntdurch die schlimmen Erfahrungen, welche man mit der natur-philosophischen Systembildung gemacht hatte, uud ohne unbeweis-bare Annahmen konnte es freilich nicht abgehen, wenn man dasinnere Gefüge der Substanz mit dem geistigen Auge zu durch-dringen versuchte. Ein deutscher, wirklich viel zu wenig gekannterGelehrter, M. L. Frankenheim in Breslau (1801—1869), ver-dient deshalb hier als der erste genannt zn werden, welcher solchenErörterungen nicht aus dem Wege ging. Schon daß er in seinerDoktordissertation (1829) das heikle Thema von der Analogie undVerschiedenheit der Gase und Dämpfe behandelte, welche beide Er-scheinungsformen des elastisch-flüssigen Znstandes damals, unterder Herrschaft der Lehre von den permanenten Gasen, alsgrundsätzlich disparat galten, beweist eine gewisse Kühnheit, undnachher blieb er stets verwandten Forschungen zugewandt. Er suchtedie Kohäsion der Flüssigkeiten, welche er als Synaphie bezeichnete,wissenschaftlich zu begründen und studierte namentlich deren Ab-hängigkeit von der Temperatur; er beschäftigte sich mit dem merk-würdigen Ausnahmefalle, daß das Wasser bei ->-4°d seinenhöchsten Konzentrationsgrad erreicht; er hat endlich bereits die„Anordnung der Moleküle in den Krystallen" betrachtet und kannin gewisser Hinsicht als Vorläufer von Delafosse und Bravaisangeführt werden. Etwas später trat diesen Fragen näher einForscher, der bei längerem Leben vielleicht nnsere Einsicht in dieinnere Beschaffenheit der Körperwelt erweitert hätte. Georg SimonOhm (1787—1854), dessen Name zu den ausgezeichnetsten, indiesem Abschnitte zu nennenden gehört, ging mit der Absicht um,ein ausführliches Werk über Molekularphysik zu schreiben, alleinbedauerlicherweise war der Plan für einen bereits in die Sechzigergekommeneu, durch schwere Geschicke vorzeitig gealterten Mann vielzu weitschichtig angelegt. Ohm erachtete es nämlich für notwendig,dem Hauptwerk, dessen wesentliche Teile er im Kopfe fertig mitsich herumgetragen haben soll, zwei Bände vorausznsenden, indenen bezüglich Raumgeometrie und Mechanik im schieswinkligenKoordinatensysteme dargestellt werden sollten. Der erste der beiden