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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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154 VIII. Die Physik im Zeitalter vvr Entdeckung des Energieprinzipcs,

daß Scheidewände aus anorganischen Stoffen, etwa aus Thon, sichdurchaus uicht verschieden verhalten. Die Diffusion der Gase der-jenigen der Flüssigkeiten zur Seite gestellt zu haben, ist das Ver-dienst Th. Grahams (18051869), der 1830 einen Gipspfropfals Diaphragma angewandt hatte. Die numerische Beziehung,welche ebenderselbe für den Gasaustausch aufstellte, hat sich nichtals Ausdruck eines wirklichen Naturgesetzes rechtfertigen lassen, alleinals eine brauchbare Näherung ist die Grahamsche Regel doch auchvon späteren Forschern anerkannt worden.

Mit EndoSmose und Exosmose innig verwandt sind die Er-scheinungen der Absorption von Gasen durch feste und tropfbar-flüssige Körper. Was zuerst Fusinieri (17731853) und Bel-la ni gefunden hatten, war mehr, um den modernen Namen zugebrauchen, Adsorption; das Gas breitet sich in dünner Schichtauf der Oberfläche einer Substanz von anderem Aggrcgatznstandeaus. Immerhin überzeugte sich der Erstgenannte doch auch vonder Thatsache , daß elastisch-flüssige Körper in das Innere vonfesten eindringen nnd hier festgehalten werden, bis sie sich dannwieder losringen und an die Außenseite hervortreten. So wurdeFusinieri der Wiedererneuerer einer Lehre von der Tau-bilduug, welche schon viel früher C.L. Gersten in Gießen (1748)begründet hatte, welche jedoch durch den Anklang, welchen dieDoktrin von W.C.Wells (17571817) fand, gänzlich der Vergessen-heit anheimgefallen war. Nach letzterer kondensiert sich der atmo-sphärische Wasserdampf in der Nähe des dnrch nächtliche Aus-strahlung sehr stark abgekühlten Bodens; nach Gersten-Fusinieri wird der Wasserdamps von Gestein und Pslanzenaufgesogen, verschluckt, und wenn dann eilte namhafte Temperatur-Herabsetzung eintritt, erscheint er in Tropfenform an der betautenFläche. Die Absorption von Gasen dnrch Flüssigkeiten ist ebenauch wieder von Graham zum Gegenstände einer Experimental-untersuchung gemacht worden.

Man sieht, zu molekularphysikalischeu Spekulationenlagen itm 1830 bereits Stoffe genug vor, denn man war auf eineganze Reihe von Fällen gestoßen, in denen die zwischen den Ele-mentarbestandteilen der Körper thätigen Attraktions- nnd Repnl-