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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
161
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Chladnis akustische Errungenschaften. ißi

zunächst nur mit Undulationen in einem inkompressibeln Mediumzu thun, allein die beiden Weber zeigten auch, welche Änderungen,vor allem bezüglich der Translationsgeschwindigkeit, an den fürWasserwellen nachgewiesenen Thatsachen anzubringen sind, um dieseauch der vibratorischen Bewegung in einem elastischen Mittel an-zupassen.

So war denn also auch auch die Akustik in den Stand ge-setzt, die neuen Errungenschaften sür ihre Zwecke zu verwerten,und dies wurde auch von deren namhaftestem Vertreter in jenerEpoche, Chladni , unumwunden zugestanden. Derselbe erlebtegerade noch das Erscheinen des Weberschen Buches und empfahl esangelegentlich. Wir lernten diesen Mann schon oben bei denMeteorsteinen kennen; hier haben wir es mit dem Physiker zuthnn, der durch die Not des Lebens zur Vorführung seiner neuerfundenen musikalischen Instrumente auf Kunstreisen genötigt war,dabei aber doch Zeit und Kraft übrig behielt, um die Theorie desKlanges ebenso wie die akustische Praxis zu bereichern. SeineAkustik" (Leipzig 1802) erhebt die bisher etwas stiefmütterlichvon den physikalischen Lehrbüchern behandelte Disziplin zu einemselbständigen Spezialsache, indem ganz allgemein die Schwingungenbeliebig gestalteter Körper und die hierdurch in der Lnft aus-gelösten Töne untersucht werden. Er zuerst hat die von demConte Riccati (1767) nur gelegentlich erwähnte, fundamentaleTrennung zwischen transversalen und longitudinalenSchwingungen ausgesprochen und durchgeführt, an welche erdann noch die aus beiden, koexistierenden Gattungen sich zusammen-setzenden Torsions schwing ungen anreihte; er hat die Oszilla-tionen von Glocken nnd Platten betrachtet nnd ein treffliches,seitdem in den verschiedeusten Umformungen die Experimentalphysikbeherrschendes Verfahren ausgedacht, diese Schwingungen durchHilfskörper sozusagen zu substantiieren. Wenn man eine gleich-mäßig mit feinem Stande oder Pulver bedeckte Scheibe verschieden-artig einklemmt und mit einem Bogen am Rande anstreicht, sosieht man, wie sich die leicht bewegliche Masse zn ganz regelmäßigenLiniengebilden, den Chladnischen Klangfignren, anordnet,welche also ein deutliches Bild des augenblicklichen Bewegungs-

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 11