162 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.
Zustandes des schwingenden Objektes ergeben. Napoleon ließ sichdieselben von ihrem Entdecker in Paris demonstriereil und wiesihm daraufhin die Mittel zu, um eine französische Bearbeitungseines Werkes veranstalten zu können. Das Pariser Institut aberhielt die Sache für wichtig genug/ um einen Preis für den aus-zusetzen, der auf analytischem Wege die Schwingungen elastischerFlächen erforschen und die Knotenlinien als mit den Klangfigurenübereinstimmend aufzeigen würde. Eine voll befriedigende Lösungwar uach dem damaligen Stande der Mathematik nicht Wohl möglich.Erst die zwei großen Formelbezwinger Poisson uud Cauchy ge-langten zu angenäherten Resultaten, und auch eine gelehrte Dame,Fräulein Sophie Germain (1776—1831), bekam später (1816)einen Teil des Preises, weil sie in ihrem Memoire die Differential-gleichung des Bewegungszustandes der schwingenden Platte richtigaufgestellt und ebenfalls approximativ ausgelöst hatte. Ju spätererZeit hat dann Eh. Wheatstone (1302—187S) eine verbesserteund erweiterte Theorie der Klangfiguren gegeben. Bemerkt sei noch,daß F. Savart (1791—1841), ein ideenreicher, aber in der Ver-wirklichnng seiner Gedanken nicht immer vom Erfolge begleiteterPhysiker, Chladnis Unterscheidung dreier verschiedener Gattungenvon Schwingungen verwarf, indem er bei seinen Studien übermusikalische Resonanz zu der Überzeugung gekommen war,daß doch in letzter Instanz immer nur eine Molekularverschiebungvorliege, die sich so oder so äußern könne. Das ist Wohl wahr,aber die Bethätigung jeuer iuueren Umlagerung erfolgt eben dochnur in einer der drei von Chladui bestimmten Formen. Diebeiden Weber stellen zweckmäßig primäre und sekundäreSchwingungen einander gegenüber; erstere haben dieselbe Rich-tung, in welcher die Welle selbst sich fortpflanzt, während dieanderen senkrecht zu dieser Richtung erfolgen.
Glücklicher war Savart iu seinen Bemühungen, die Dila-tation und Kontraktion longitudinal schwingender Stäbe, ganz imGeiste von Chladnis Methodik, durch aufgestreuten feinen Sandin Kuotenlinien abzubilden, und ähnlich vermochte er auch überdie Bewegungsverhültnisse der Luft in tönenden Pfeifen Lichtzu verbreiten. Wenn sich in einer solchen Interferenzen bilden,