Ermittlung der Tonhöhe.
163
so kann der Ton, falls nämlich zwei dem absoluten Werte nachgleiche, aber dem Bewegnngssinne nach entgegengesetzte Phasen zu-sammenkommen, vollständig vernichtet werden; um dies nach Be-lieben ermöglichen zu können, konstruierte W. Hopkins (1793 bis1866) die nach unteu sich doppelt gabelnde Röhre, welche mauvertikal so hält, daß die beiden unteren Öffnungen sich gerade übereutgegeugesetzt gerichteten Punkten einer schwingeudeu Membraubefinden. Schwingungszahlen genau zu messen, hatte sich ebenfallsChladni bereits angelegen sein lassen, aber ein direktes Verfahrenbesaß man nicht, und wiewohl Hooke (1681) und Stancari (1706)durch die Umdrehung von Rädern den Zusammenhang zwischenTonhöhe uud Schwinguugszahl numerischer Bestimmung zn unter-werfen versucht hatten, so war doch das Gelingen ein so Prekäres,daß Sauveur, der seinerzeit bedeutendste Vertreter der Lehre vomSchalle, zu indirekten Auskunftsmitteln seine Zuflucht nehmen zumüssen glaubte. Hier half endgiltig ab die Erfindung der Sirenedurch C. Cagniard de Latour (1777—18S9). Zwei am Randedurchlöcherte horizontale Platten stehen sich gegenüber; die Löchersind aber beide Male nicht übereinstimmend, sondern so gebohrt,daß das Durchpassieren eines Luftstromes durch die Lochreihen derunteren Scheibe eine Rotation der oberen zur Folge hat. DieGeschwindigkeit letzterer läßt sich durch das bekannte Zählwerk sehrgenau fixieren, nnd wenu mau die Höhe des etwas heulendeuToues bestimmt, welcher beim Durchzwängen der Luft durch dieÖffnungen zustande kommt, so hat man eine sehr sichere Möglich-keit zur Ermittlung der gesuchten Größe. Wir haben hier dasvon Seebeck, Savart, K. R. König, Helmhvltz und andereverbesserte Instrument so beschrieben, wie es gegenwärtig in unserenPhysikalischen Hörsälen seine Dienste verrichtet; ursprünglich ver-traten die Lücken der am Rande gezahnten Scheiben die Stelle derLöcher. Savart, der als früherer Ohrenarzt sich namentlich auchsür die psychologisch-physiologische Seite der Akustik lebhaft inter-essierte, benützte die Sirene zur Feststellung der oberen und unterenHörbarkeitsgrenze der Töne für ein normales Gehörorgan.Die Fortpflanzung des Schalles stand iu den ersten
Jahrzehnten gleichfalls häufig zur Diskussion, uud gauz natürlich
11*