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164 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.
dachte man zunächst an die Fortpflanzung in der Luft, erstweiterhin auch an die in anderen Gasen. Newton hatte eineFormel zur Berechnung der Geschwindigkeit ausgestellt, aber dieseergab einen gegen die bisherigen empirischen Bestimmungen viel zukleinen Wert, ohne daß es doch möglich gewesen wäre, eilten Fehlerin ihrer Herleitnng aufzudecken. Zunächst mußte also der faktischeWert der sogenannten Fortpflanznngskonstante möglichst zu-verlässig bekaunt sein. Zu dem Ende veranstaltete Benzenberg1809 Messungen in der Umgegend von Düsseldorf , aber diese, voneinem einzelneu ins Werk gesetzt, konnten nicht so genau ausfallen,wie die umfassenden Beobachtungen der Pariser Akademiker imJahre 1822, denen 1824 diejeuigen der beiden Holländer G. Moll(1785—1338) und A. van Beek (1787—1856) nachfolgten.Jene der Akademie wurden von Arago geleitet, und der damalsnoch in Paris weilende A. v. Humboldt nahm daran teil; manhatte die ein unbeschränktes Gehörfeld darbietende Hochfläche vonMllejuif ausgewählt und maß hier die Zeit, welche zwischen deinAusblitzeu eines Kanonenschusses und dem Anlangen des Knallesverfloß. Die Ursache der Diskrepauz zwischen Theorie und Er-fahrung war damals bereits ermittelt worden; Biot , und uochklarer Laplace, hatten den konstanten Faktor gesunden, mit welchemder Newtonsche Ausdruck multipliziert werden muß, um ganzkorrekt zu werden. Das Wesen dieses Multiplikators kann freilicherst in der Wärmelehre klargestellt werden. Auch kommt derLaplaceschcn Formel eine ganz souveräne Geltung zu, mag nunder Stoff, in dem der Schall fortschreitet, fest, flüssig oder gas-förmig sein. Bestimmungen der ersteren Art hatten C. Wünsch(1744—1828) und Chladni zu Ende des 18. Jahrhunderts vor-genommen; Messungen der FortleitungSkonstaute in Flüssigkeitenhat man zuerst von Cagniard de Latour , der seine Sirenedurch eilten Wasserstrom zum Tönen brachte. Es ist indessen dashier iu Mitte liegende Problem ein ganz besonders schwieriges,denn die durch das Experiment im Laboratorium gelieferten Wertewollten nie recht zu den aus direkter Beobachtung geschöpftenstimmen. Die beiden Genfer I. D. Colladon und I. K. F. Sturmließen 1837 in ihrem heimischen See eine Glocke unter Wasser