Die Polarisation des Lichtes.
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Seiten fort, und die Wellenfläche, auf der alle Pnnkte liegen,bis zu welchen alle Lichtstrahlen in der nämlichen Zeit vordringen,ist eine dem Emissionspunkte konzentrische Kugelflüche. Anders beiden einachsigen Krystallen, die eben Bartholinus und Huygensuuterslicht hatteu. Jetzt ist die Elastizität in zwei auf einandersenkrechten Fortschreitungsrichtungen verschieden; es tritt eiue Spal-tung des einfüllenden Lichtes in einen normalen und einenaußerordentlichen Strahl ein, so daß ein durch den Krystallangeschauter Gegenstand doppelt gesehen wird; die Lichtwellenkönnen sich nicht mehr gleichmäßig ausbreiten, und an die Stelleder sphärischen Wellenfläche tritt ein Umdrehungsellipsoid.Diese Theorie nun hat Fresnel 1817 ganz außerordentlich ver-vollkommnet. Es giebt auch zweiachsige Krystalle, für welchesich die Verhältnisse der elastischen Fortleitnng ungleich verwickelteranlassen. Fresnels Verdienst ist es, anch sie der geometrischenRegel dienstbar gemacht zu haben. Die Fresnelsche Wellen-fläche ist eine solche vierter Ordnung, aber es gelang trotzdem,für ihre Erzeugung eine verhältnismäßig einfache Vorschrift zuerteilen. Sowie man sie konstruiert hat, ist man auch in die Lageversetzt, den Weg der beiden den Krystall Passierenden Lichtstrahlenzn verzeichnen. Während aber im vorigen Falle der normaleStrahl das übliche Brechnngsgesetz befolgt, trifft dasselbe bei zwei-achsigen Krystallen überhaupt nicht mehr zu, uud jeder der beidenStrahlen geht seineu eigenen Weg. Daß die Fresnelsche Flächesowohl das Sphäroid als anch die Kugel als Spezialitäten in sichschließt, bedarf kaum der Erwärmung.
Man war dazumal gewöhnt, alle Lichtstrahlen, welche sichirgendwie ungewöhnlich verhielten, als polarisiert zn bezeichnen,indem man sich gewissermaßen die verschiedeneu Seiten des nneudlichdünnen Zylinders, der eben den Strahl darstellt, als mit ver-schiedenen Eigenschaften, den Polen eines Magneten vergleichbar,begabt dachte. Allein schon stand eine neue Entdeckung vor derThüre, welche znnächst auch dem bestehenden, etwas unklaren Be-griffe angegliedert werden mußte, und diesem Umstände, daß dieanscheinend unvereinbarsten Phänomene in die Zwangsjacke einerschließlich doch nur aphoristischen Erklärung gesteckt wurden, ist es