166 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.
anstellen zu wollen. Die Namen Donna,, Arago, Fresnel,Malus verdienen gleichmäßig in den Geschichtsbüchern der Physikihren Ehrenplatz.
Thomas Donng, schon in der Einleitung erwähut, einpolyhistorisch angelegtes Genie, stellte der longitndinalen Theorieder Lichtschwingnngen, durch welche Huygeus die Doppel-brechung des Lichtes im isländischen Kalkspat zu erklärenversucht hatte, die transversale gegenüber. Alle Körper ohneAusnahme, insonderheit aber unser Auge und die durchsichtigenund durchscheinenden Substanzen sind erfüllt vom Lichtäther,einem überaus feiueu, unwägbaren Medinm, dessen kleinste Teilchensich, sobald ein Lichtimpnls sie trifft, in Bewegung setzen. Undzwar schwingen sie wahllos in einer zum Lichtstrahle selbst senk-recht stehenden Ebene. Zunächst gab Aoung, der damals nochganz im Bannkreise der Hnygensschen Lehre stand, eine Theorieder Farben dünner Blättchen und der farbigeu Schattensäume,welche sich bilden, sobald das Licht sich durch ein Aggregat kleinerKvrperchen seinen Weg suchen muß. An den Oberflächen derselbenerleidet es eine Beugung, eine Ablenkung vom normalen, gerad-linigen Wege, und indem dann Strahlen von verschiedener Phasesich begegnen, ändert sich die Wellenlänge, welche selbst wieder dieFarbe bedingt. Eine hierauf abzielende Mitteilung war vonUonng schon 1803 der königlichen Gesellschaft der Wissenschaftengemacht worden, allein man hatte sie wenig beachtet, und auch dieumfassendere Darstellung in dem 1807 veröffentlichten „Course c»klisotures ori Uatural ?Iii1osopI^" drang wenigstens nicht in dasAnstand. So geschah es, daß Augustin Fresnel im Jahre 1815aus eigenster Initiative eine fast in allen Teilen gleichwertigeTheorie der Lichtinterferenz und Diffraktion aufstellen konnte;erst im Jahre darauf, als Arago bei Aoung einen Besuch machteund diesem von der Entdeckung Fresnels erzählte, erfuhr ersterer,daß der englische Physiker mit dem französischen gleiche Bahneneingeschlagen hatte, und sorgte dann auch für öffentliche Aner-kennung dieser Thatsache. Aber Dornig ging auch noch weiter.In gewöhnlichen Körpern, so nahm er an, herrscht Isotropie;das Licht Pflanzt sich, wie die Wärme, gleichmäßig nach allen